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Jubiläum erinnert an die außergewöhnliche Entstehung und Rettung des Fossilienfundorts
Wie das Hessische Landesmuseum Darmstadt mitteilt, feiert die Grube Messel am 9. Dezember 2025 das 30-jährige Jubiläum ihrer Aufnahme in die Liste des UNESCO-Weltnaturerbes. Als Deutschlands erste und bis heute einzige Weltnaturerbestätte gilt sie weltweit als einzigartiger Fossilienfundort und als Beispiel dafür, wie eng wissenschaftliches Erbe und drohende Zerstörung beieinanderliegen können.
Entstehung: Geboren im Feuer vor 48 Millionen Jahren
Vor rund 48 Millionen Jahren entstand der heutige Fossilien-Hotspot durch eine gewaltige vulkanische Explosion: Heißes Magma traf auf unterirdisches Wasser, ein tiefer Krater entstand und füllte sich mit Wasser. Im sauerstofffreien Grund des entstandenen Sees verrotteten gefallene Tiere und Pflanzen nicht, sondern wurden von feinstem Schlamm konserviert. Das Ergebnis ist eine der vollständigsten Momentaufnahmen eines urzeitlichen Ökosystems weltweit – mit Fossilien, die Fellstrukturen, Federkleider, schillernde Insektenfarben und sogar den letzten Mageninhalt ihrer Besitzer zeigen.
»Die Grube Messel ist eine Zeitkapsel, die uns Einblicke in eine verlorene Welt gewährt, wie es sonst kaum ein zweiter Fundort auf der Erde kann.«, erklärt Prof. Dr. Torsten Wappler, Leiter der Abteilung Naturgeschichte am HLMD und Leiter der alljährlichen Grabungen vom Museum in der Grube Messel. »Gleichzeitig mahnt ihre Geschichte: Selbst offensichtliche Schätze werden nicht automatisch geschützt.«
Bürgerinitiative verhindert Deponie und ebnet den Weg zur Welterbestätte
Nach dem Ende des Ölschieferabbaus Anfang der 1970er Jahre sollte die Grube zur Mülldeponie für die Rhein Main Region werden – obwohl bereits seit 1875 außergewöhnliche Fossilfunde gemacht worden waren. Erst eine Bürgerinitiative aus der Gemeinde Messel und Umgebung wehrte sich erfolgreich gegen die Pläne. Über zehn Jahre lang kämpften die Bürgerinnen und Bürger vor Gericht, bis das Deponievorhaben endgültig gestoppt wurde.
Dieser Einsatz ebnete den Weg für die erfolgreiche UNESCO-Bewerbung: Am 9. Dezember 1995 wurde die Grube Messel als erste Weltnaturerbestätte Deutschlands in die Liste aufgenommen.
»Ohne den Mut und die Ausdauer dieser Menschen gäbe es die Grube Messel heute nicht mehr.«, betont der Direktor des Landesmuseums, Dr. Martin Faass, anlässlich des bevorstehenden Jubiläums. »Ihr Engagement zeigt, dass der Schutz unseres natürlichen und kulturellen Erbes auch von engagierten Bürgerinnen und Bürgern ausgehen und wie leicht unersetzliche Geschichte verloren gehen kann.«
Wissenschaftliche Grabungen seit 1966: Vom spektakulären Fossil zur Ökosystemforschung
Es war das Hessische Landesmuseum Darmstadt, das 1966/67 die erste wissenschaftliche Grabung zur Erforschung der Grube Messel durchführte. Viele Grabungen sollten seitdem folgen und der Sammlungsbestand stetig wachsen.
Mit den Jahren veränderte sich auch der Anspruch an die wissenschaftliche Arbeit: Während anfänglich vor allem spektakuläre Wirbeltierfossilien im Fokus standen, liegt das Interesse heute zunehmend auf dem Verständnis des damaligen gesamten Ökosystems. Dazu gehören auch kleine Insekten und ihre Interaktionen mit Pflanzen – ein Schlüssel zur Rekonstruktion der Lebenswelt des Eozäns.
(DARMSTADT – RED/HLMD)
Beitragsbild: Symbolfoto