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IHK Darmstadt: Außenhandel tritt 2025 auf der Stelle – Bürokratie und geopolitische Unsicherheiten bremsen
Der Außenhandel in Südhessen zeigt im Jahr 2025 insgesamt nur wenig Dynamik. Zwar sorgen Vorzieheffekte – insbesondere im Handel mit den USA und hier vor allem in der Pharmabranche – für steigende Exportzahlen in einzelne Märkte. Ein nachhaltiger, breit getragener Aufschwung bleibt jedoch aus. Darauf weist die Industrie- und Handelskammer Darmstadt Rhein Main Neckar in einer aktuellen Auswertung hin.
„Der Außenhandel in Südhessen tritt auch 2025 auf der Stelle. Die Nachfrage auf dem Weltmarkt ist insgesamt schwach und die Unsicherheiten wegen der aktuellen geopolitischen Lage groß“, erklärt Axel Scheer, Experte für Außenhandel bei der IHK Darmstadt. Hinzu komme eine zunehmende Bürokratisierung, die Unternehmen stark belaste. In der täglichen Beratung gehe es immer häufiger um Zoll- und Dokumentationspflichten – und immer weniger um das eigentliche Exportgeschäft.
Weniger Exportdokumente und rückläufige Carnets
Diese Entwicklung spiegelt sich auch in den von der IHK ausgestellten Außenhandelsdokumenten wider. Im Jahr 2025 wurden 26.933 Dokumente ausgestellt, rund 4,7 Prozent weniger als im Vorjahr (2024: 28.248). Auch bei den sogenannten Carnet A.T.A., die für die vorübergehende Ausfuhr von Waren etwa zu Messen benötigt werden, zeigt sich ein Rückgang. 352 Carnets wurden 2025 ausgestellt, zwölf weniger als im Jahr zuvor.
USA und EU bleiben wichtigste Handelspartner
Etwas positiver fallen die vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes für die ersten neun Monate des Jahres 2025 aus. Demnach stiegen die hessischen Exporte von Januar bis September auf 63,39 Milliarden Euro, ein Plus von 4,1 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Die Importe legten mit 93,95 Milliarden Euro sogar um 6,2 Prozent zu.
Besonders deutlich wuchsen die Exporte in die USA. Sie stiegen um 13,4 Prozent auf 8,22 Milliarden Euro. Auch die Importe aus den USA nahmen um 11,1 Prozent zu. Treiber dieser Entwicklung ist vor allem die Pharmabranche: Pharmazeutische Produkte im Wert von 3,47 Milliarden Euro wurden in die USA exportiert – ein Zuwachs von 44,6 Prozent.
Scheer warnt jedoch vor einer Überbewertung dieser Zahlen. Hintergrund sei der Zollstreit mit den USA, in dessen Folge Unternehmen ihre Lagerbestände vor möglichen Strafzöllen aufgestockt hätten. Andere Branchen wie Maschinenbau oder Automobilindustrie verzeichneten hingegen teils deutliche Einbußen.
Hohe Exportquote im Kammerbezirk
Trotz der Herausforderungen bleibt Südhessen eine stark exportorientierte Region. Die Exportquote im verarbeitenden Gewerbe liegt im Kammerbezirk der IHK Darmstadt bei 62,1 Prozent und damit deutlich über dem hessischen (55,3 Prozent) und bundesweiten Durchschnitt (49,7 Prozent).
Stabil zeigen sich weiterhin die chemischen und pharmazeutischen Erzeugnisse mit Exporten von 18,17 Milliarden Euro. Der Maschinenbau verzeichnete ein deutliches Plus von 11,3 Prozent, die Automobilbranche ein Wachstum von 6,1 Prozent. Besonders stark legten elektrotechnische Erzeugnisse zu, deren Exporte um 22,9 Prozent stiegen.
Frankreich zweitwichtigster Abnehmer – Importe aus China steigen
Hinter den USA bleibt Frankreich der zweitwichtigste Abnehmer hessischer Waren, auch wenn die Exporte dorthin um 3,5 Prozent zurückgingen. Polen belegt weiterhin Rang drei. Deutlich rückläufig entwickelten sich die Exporte ins Vereinigte Königreich, während die Importe von dort stark zunahmen.
Nahezu konstant blieben die Exporte nach China, während die Importe aus der Volksrepublik um mehr als 16 Prozent stiegen. Ursache sei unter anderem die US-Zollpolitik, die dazu führe, dass chinesische Waren verstärkt nach Europa umgeleitet würden. Aus Sicht der IHK besteht hier Handlungsbedarf, um fairen Wettbewerb sicherzustellen.
(DARMSTADT – REd/IHK)