Vera Fles-Schönegge und Klaus Philipp im Atelierhaus Darmstadt
Landschaften werden heute millionenfach fotografiert und geteilt – oft an ikonischen Orten und in Sekundenschnelle. Warum also noch eine Kunstausstellung zu diesem Thema?
Die Ausstellung im Atelierhaus Darmstadt gibt darauf eine entschleunigte, konzentrierte Antwort: Die Malerin Vera Fles-Schönegge und der Fotograf Klaus Philipp stellen ihre Arbeiten einander gegenüber und zeigen zwei künstlerische Positionen, die sich der Bilderflut mit Bedächtigkeit, Reduktion und innerer Sammlung entgegenstellen.
Beide Künstlerinnen und Künstler sind seit vielen Jahren mit der Darstellung von Landschaft befasst. Trotz der unterschiedlichen Medien eint sie ein ähnlicher Zugang: das Erspüren und Erkunden mentaler Räume, die hinter dem Sichtbaren liegen. Ihre Werke verzichten auf dokumentarische Genauigkeit zugunsten des Elementaren und Ikonischen – geöffnet für Assoziationen von Weite, Stille und innerer Bewegung. Eine fein differenzierte, tonwertige Farbigkeit prägt die Arbeiten ebenso wie formale Reduktion und Abstraktion.
Klaus Philipp bewegt sich mit seiner Fotografie zwischen Naturstudie und bildnerischer Transformation. Durch gezielte Bearbeitung entstehen entrückte, teils übernatürlich wirkende Atmosphären mit grafischer Kraft. Seine Bilder vermeiden sowohl Anklage als auch Idylle und machen stattdessen die Überformung der Landschaft durch den Menschen ebenso sichtbar wie ihre Momente von Erhabenheit und Unberührtheit. Lichtphänomene und Naturkräfte spielen dabei eine zentrale Rolle. Getragen ist dieser Blick von einer Sehnsucht nach Bewahrung – der Natur ebenso wie der inneren Verbindung des Menschen zu ihr.
Vera Fles-Schönegge nähert sich Landschaften aus dem malerischen Prozess heraus, ohne Bezug auf konkrete Orte. Ausgangspunkt ist ein Wechselspiel aus bewusster Setzung und Zufall, aus dem sich allmählich Strukturen verdichten. Ihre Bilder gehen weit in der Reduktion der Gegenständlichkeit und vermeiden eindeutige Botschaften. Orientierung entsteht durch wenige Zeichen – vor allem durch markante Linien, die als Horizont Erde und Himmel trennen und dem Bild Raum und Spannung verleihen.
Die Ausstellung bringt zwei unterschiedliche Bildmedien in einen fruchtbaren Dialog und erweitert so den Diskurs über die Darstellung von Landschaft im zeitgenössischen Kunstkontext.
Infoblock:
- Erspürt & Erkundet. Landschaft. Malerei. Fotografie
- Atelierhaus Darmstadt, Riedeselstraße 15
- 20. März bis 7. April 2026
- Vernissage: 20. März 2026, 19 Uhr
- Öffnungszeiten: Fr 16–19 Uhr, Sa & So 11–17 Uhr
