Prominente Gäste, Humor und gesellschaftliche Themen bei Jubiläumsveranstaltung des Lionsclubs
Mit seinem 80. Frei-Talk hat Prof. Bernhard Meyer in der Orangerie Darmstadt einen besonderen Abend gestaltet. Anlass war zugleich sein 80. Geburtstag. Auf Einladung des Lionsclub Darmstadt-Castrum und auf Initiative von Stefanie Zimmermann kamen am 1. Mai zahlreiche Gäste zu der Talkveranstaltung zusammen, deren Erlös dem Hospiz in Darmstadt zugutekommt.
Gutmeinende Freunde hatten Bernhard Meyer geraten, da müsse er sich aber warm anziehen. Sein Opening zeigte ihn mit Wintermantel, langem Schal und Mütze. Nachdem er diese Kleidung abgelegt hatte, konnte auch der Lampenschirm angeknipst werden.


Der erste Gast reiste aus Griesheim an. Prof. Dr. Stefan Pickl, ein international bekannter KI-Experte wurde von Meyer zum Plaudern gebracht. Was sollen wir noch für wahr halten? „KI Lebt von Daten der Vergangenheit. Wenn diese falsch sind, bleiben sie falsch.“ Seit 1968 gibt es den Club of Rome, der mit der Mahnung „Grenzen des Wachstums“ bekannt wurde. Dort wurde Prof. Pickl zum Mitglied voriges Jahr berufen. Auf Meyers Frage, ob wir auch eine Grenze des KI-Wachstums brauchen, lautete die Antwort: „Erst hatten wir Atomkraftwerke und dann kam Tschernobyl. Erst hatten wir KI. Auch dort gibt es unbeherrschbare Risiken vor allem auf dem Arbeitsmarkt.“

Ein weiterer Gast ist ein Original Darmstädter Gewächs. Die Zweitexistenz von Jochen Werner heißt Aurora DeMeehl und kann nächstes Jahr Silberhochzeit mit Lord Schmidt feiern. Ist er oder sie nun ein Teilzeit-Trans oder ein Queer? „Ich bin eine Kunstfigur. Ich liebe sie, aber noch mehr meinen Namen. Wir haben nächstes Jahr Silberhochzeit“. Bei Stadtführungen wird ein besonderer Blick auf die Verhältnisse eröffnet. Vor allem werden fast vergessene Geschichten erzählt.“

Es gab verschiedene musikalische Akzente. Einen setzte Aart Veder, bekannt als Schauspieler am Darmstädter Staatstheater. Seine Lieder erwiesen eine Reverenz an den verstorbenen Liedermacher Ulrich Roski, den er aus seiner Berliner Schulzeit kannte. Die Botschaft: „Man darf das alles nicht so verbissen sehn“.

Mit Ausschnitten aus Mozarts Hornkonzerten erfreute der Solohornist Jaehyung Kim vom Mainzer Staatstheater, der ein besonderes Waldhorn spielt. Dieses wurde von Christopher Cornford entwickelt, der erläuterte, dass jede Verbesserung am Instrument wie ein Kindergeburtstag ist. Weltweit wird diese einzigartige Instument in bekannten Orchestern gespielt.


Die Bürgermeisterin von Darmstadt Barbara Akdeniz und die Hessische Ministerin Heike Hofmann haben beide Ressorts mit vielen Zuständigkeiten. Meyer zitierte französische Forscher, die angeblich den Mythos vom Multitasking der Frauen entzaubert hätten. Sind beide Ausnahmefrauen? Jede hat ihren eigenen authentischen Weg die Vielfalt der Aufgaben zu bewältigen. Dabei kommt es auf den eigenen Weg an.

In vielen Kolumnen hat Jan Weiler die Welt der Pubertiere ausgeleuchtet, um am Ende die Ältern in den Blick zu nehmen. Er war aus München angereist und konnte sich humorvoll einem Vergleich der Pubertät mit der von Meyer erlebten Alterspubertät zuwenden. Beide wehren sich gegen den Druck zur Verlangsamung. Zum Vergnügen des zahlreichen Publikums berichtete er vom Wunder in Darmstadt: Er war zur Lesereise in Darmstadt. Bei einem Besuch des Weihnachtsmarktes kaufte vor ihm eine Frau an einem Stand eine Currywurst. Diese stand in einer Schale fertig auf dem Tresen, als bei der Übergabe von einem Euro Restgeld, diese im Schälchen in der Sauce landete. ‚Kein Problem‘ sagte der Verkäufer und griff beherzt in die Sauce und holte eine Zwei-Euro-Stück heraus.“ Im Herbst erscheint Weilers neues Buch „Das Vogelhaus“. Das Schlusskontrolle fand auf der Fahrt nach und von Darmstadt statt. Zu seiner Enttäuschung hatte die Bahn keine Verspätung.

Über drei Figuren plauderte Meyer mit dem Pfungstädter Hans-Joachim Heist: Mit der Heute-Show wurde der Choleriker Gernot Hassknecht bekannt. Diesen Typus hatte er schon vor 20 Jahren mit seiner Familie ein Denkmal gesetzt. Er iszt kein Choleriker, aber mit zunehmendem Alter färbt die Bühnenfigur Hassknecht ab. In Darmstadt ist er als Datterich auf der Suche nach dem „vasteckten Dorscht“. Hier versucht Heist vor allem das Schelmische sichtbar werden zu lassen. Und als Heinz Ehrhard verkörpert er eine Figur, von der einmal jemand sagte: „Wieviel Geist muss ein Mensch haben, um sich derart blöd anstellen zu können.

Die Einnahmen der Veranstaltung gehen an das Hospiz in Darmstadt. Die Leiterin Elisabeth Schummer-Schmalz erläuterte, das damit eine Erlebnisterrasse für die Gäste auf Zeit entwickelt werden soll, die alle Sinnen anspricht. Am Ende konnte Meyer zufrieden den Lampenschirm ein 80. und letztes Mal ausknipsen und dem Hospiz übereignen.
Der Präsident des Lionsclub Uwe Götz resümiert am Ende:“ Der Frei-Talk war ein voller Erfolg. Die Kombination aus hochkarätigen Gästen, intelligentem Austausch und einer außergewöhnlich positiven Stimmung hat den Nachmittag für die rund 300 Besucher zu etwas Besonderem gemacht. Genau solche Veranstaltungen stärken den gesellschaftlichen Dialog und das Miteinander.“
(RED/Götz)
