Vier historische Bildteppiche sind nach mehr als 50 Jahren wieder gemeinsam zu sehen
Vier großformatige Bildteppiche, mit denen in den 1950er Jahren die Moderne in das Hessische Landesmuseum Darmstadt einzog, stehen im Mittelpunkt der Kabinettausstellung „Wiederentdeckt! Textile Bilder für das Hessische Landesmuseum Darmstadt“. Vom 9. Juli bis 4. Oktober 2026 werden die Werke erstmals seit mehr als fünf Jahrzehnten wieder gemeinsam präsentiert.
Die Ausstellung im Oberlichtsaal zeigt nicht nur die vier Wandteppiche, sondern auch die erhaltenen Entwurfszeichnungen. Damit wird ein besonderes Kapitel der Darmstädter Museumsgeschichte und zugleich ein Einblick in die Textilkunst der Nachkriegszeit sichtbar.
Die Entstehung der Werke geht auf die Wiederaufbauphase des Hessischen Landesmuseums Darmstadt nach dem Zweiten Weltkrieg zurück. 1954, während die Sanierungsarbeiten am schwer beschädigten Museumsgebäude ihrem Ende entgegengingen, entwickelte der damalige Museumsdirektor Erich Wiese die Idee, das Haupttreppenhaus mit zeitgenössischer Textilkunst auszustatten.
Vier Künstlerpositionen sollten dabei die Vielfalt der damaligen Wandteppichkunst zeigen: zwei stärker gegenständlich arbeitende sowie zwei abstrakte Positionen. Beauftragt wurden die renommierten Textilkünstlerinnen Else Mögelin und Johanna Schütz-Wolff sowie Fritz und Inge Vahle und Fritz Winter.
Ein Stück Museumsgeschichte kehrt zurück
Die Wandteppiche wurden 1955 entworfen und 1956 fertiggestellt. Aufgrund von Verzögerungen bei den Sanierungsarbeiten konnten sie jedoch erst 1958 im Haupttreppenhaus präsentiert werden. Dort bildeten die figürlichen und abstrakten Arbeiten bewusst gesetzte künstlerische Gegenpole und standen für die gestalterische Bandbreite moderner Textilkunst.
„Diese Präsentation bietet eine seltene Gelegenheit: Zum ersten Mal seit über fünfzig Jahren sind alle vier Wandteppiche wieder gemeinsam zu sehen“, erklärt Kurator Dr. Wolfgang Glüber, Sammlungsleiter Kunsthandwerk am Hessischen Landesmuseum Darmstadt. Die Wiedervereinigung der Werke und ihrer Entwurfszeichnungen mache „nicht nur ein bedeutendes Kapitel der Museumsgeschichte erlebbar, sondern eröffnet auch einen einzigartigen Einblick in die Textilkunst der Nachkriegszeit“.
Für Glüber hat die Ausstellung zudem eine persönliche Bedeutung: Nach 30 Jahren Tätigkeit am Hessischen Landesmuseum Darmstadt verabschiedet sich der Sammlungsleiter Kunsthandwerk mit dieser Präsentation in den Ruhestand.
Bauhaus, Abstraktion und textile Kunst
Die beteiligten Künstlerinnen und Künstler stehen für unterschiedliche Entwicklungen der modernen Kunst. Else Mögelin studierte unter anderem bei Johannes Itten, Paul Klee und Gerhard Marcks am Bauhaus in Weimar und prägte später als Leiterin der Textilwerkstatt der Stettiner Kunstgewerbeschule die Textilkunst.
Johanna Schütz-Wolff beeinflusste als Leiterin der Textilklasse und Handweberei an der Burg Giebichenstein zahlreiche Künstlergenerationen und zählt zu den bedeutenden Vertreterinnen der Grafik- und Textilkunst des 20. Jahrhunderts.
Das Darmstädter Künstlerpaar Fritz und Inge Vahle schuf neben grafischen und malerischen Arbeiten auch zahlreiche abstrakte Wandbehänge. Fritz Winter wiederum gilt als einer der wichtigsten deutschen Künstler der Nachkriegszeit und als Wegbereiter der europäischen Abstraktion. Textile Arbeiten bilden in seinem Werk eine besondere Ausnahme.
Ausstellung „Wiederentdeckt! Textile Bilder für das Hessische Landesmuseum Darmstadt“
Zeitraum: 9. Juli bis 4. Oktober 2026
Ort: Oberlichtsaal, Hessisches Landesmuseum Darmstadt
Kurator: Dr. Wolfgang Glüber
(DARMSTADT – RED/HLMD)
Beitragsbild: Blick in die Präsentation »Wiederentdeckt!« mit Wandbehang »Ernte« von Else Mögelin und Applikationsteppich von Ingeborg Vahle-Giessler und Fritz Vahle, Foto L. Breidert, HLMD © VG Bild-Kunst
