IHK-Konjunkturumfrage unter rund 900 Unternehmen zeigt bessere Geschäfte, aber weiterhin schwache Investitionsbereitschaft und zurückhaltende Personalplanung
Die wirtschaftliche Lage in Südhessen hat sich im Herbst 2026 verbessert. Nach einer längeren Schwächephase berichten Unternehmen aus Industrie, Einzelhandel und Dienstleistungsbranche wieder von besseren Geschäften. Von einem nachhaltigen Aufschwung kann allerdings noch keine Rede sein. Das zeigt die aktuelle Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Darmstadt Rhein Main Neckar, an der rund 900 Unternehmen aus der Region teilgenommen haben.
Der IHK-Geschäftsklimaindex stieg gegenüber dem Frühsommer um neun Punkte auf aktuell 91 Punkte. Damit bleibt er unter der Marke von 100 Punkten, die eine ausgeglichene Bewertung von Geschäftslage und Erwartungen kennzeichnet.
„Die Mittel aus den Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaschutz kommen zunehmend in der Wirtschaft an“, erklärt IHK-Hauptgeschäftsführer Robert Lippmann. Gleichzeitig fehle den Unternehmen weiterhin eine verlässliche langfristige Wachstumsperspektive.
Geschäftslage verbessert sich
In der aktuellen Umfrage bewerten 23 Prozent der Unternehmen ihre Geschäftslage als gut. 47 Prozent bezeichnen sie als befriedigend, während 30 Prozent von einer schlechten Geschäftslage sprechen.
Damit hat sich die Situation gegenüber dem Frühsommer verbessert. Der Saldo aus positiven und negativen Bewertungen stieg um sieben Prozentpunkte auf minus sieben.
Besonders in der Industrie und im Dienstleistungssektor zeigt sich eine Erholung.
„Bei den Dienstleistern und in der Industrie läuft es besser als zuletzt“, sagt Dr. Peter Kühnl, Konjunkturexperte der IHK Darmstadt. Vor allem die Industrie profitiere von öffentlichen Investitionen, die im Zusammenhang mit den Sondervermögen stehen.
Unternehmen bleiben skeptisch
Trotz der besseren Geschäftslage blicken viele Unternehmen weiterhin mit Sorge auf die kommenden Monate.
Nur 13 Prozent der befragten Betriebe erwarten eine Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Situation. 63 Prozent rechnen mit weitgehend unveränderten Bedingungen. Weitere 24 Prozent befürchten eine Verschlechterung.
Der Saldo der Geschäftserwartungen verbesserte sich zwar um elf Prozentpunkte, liegt mit minus elf aber weiterhin im negativen Bereich.
„Die leichte Verbesserung der Geschäftserwartung ist keine Trendwende. Es bestehen noch zu viele Standortrisiken, die die Zukunftserwartungen der Unternehmen belasten“, erklärt Kühnl.
Energiekosten und politische Rahmenbedingungen belasten
Als größte Risiken für die weitere wirtschaftliche Entwicklung nennen die Unternehmen die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen und die hohen Energiekosten. Beide Faktoren werden von jeweils 66 Prozent der Befragten genannt.
Bei den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen entspricht das einem Anstieg um zwei Prozentpunkte gegenüber dem Frühsommer. Die Energiekosten werden sogar um vier Prozentpunkte häufiger als Risiko bewertet.
Die IHK verweist in diesem Zusammenhang auf gestiegene Öl- und Gaspreise infolge des Irankriegs.
Auch die Entwicklung der Arbeitskosten bereitet den Betrieben zunehmend Sorgen. 58 Prozent sehen darin ein wirtschaftliches Risiko, sechs Prozentpunkte mehr als im Frühsommer.
Weitere 57 Prozent der Unternehmen nennen die schwache Inlandsnachfrage als Belastung. Allerdings hat dieser Faktor gegenüber der vorherigen Umfrage etwas an Bedeutung verloren.
Investitionen und Neueinstellungen bleiben aus
Die wirtschaftliche Unsicherheit wirkt sich auch auf die Investitionspläne der südhessischen Unternehmen aus.
Zwar wollen 26 Prozent der Betriebe ihre Investitionen erhöhen, gleichzeitig planen jedoch 32 Prozent Kürzungen. Der Saldo liegt damit weiterhin im negativen Bereich.
Besonders deutlich zeigt sich die Zurückhaltung bei der Personalplanung: Nur sechs Prozent der befragten Unternehmen wollen zusätzliche Mitarbeiter einstellen. Dagegen rechnen 26 Prozent mit einem Personalabbau.
Auch das Auslandsgeschäft entwickelt sich nach Angaben der IHK schwächer als zuletzt. Insbesondere die Absätze in China und den USA seien zurückgegangen.
Die Ergebnisse zeigen, dass die verbesserte Geschäftslage bislang nicht zu einer breiten Investitions- und Beschäftigungsdynamik geführt hat.
IHK fordert weitere Wirtschaftsreformen
Angesichts der verhaltenen Zukunftsaussichten fordert die IHK Darmstadt zusätzliche wirtschaftspolitische Maßnahmen.
Hauptgeschäftsführer Robert Lippmann warnt davor, die aktuelle Erholung bereits als nachhaltigen Aufschwung zu bewerten. Sie werde nach Einschätzung der Kammer wesentlich durch schuldenfinanzierte staatliche Ausgaben getragen.
„Der private Motor der Wirtschaft – Investitionen und Binnennachfrage – kommt noch nicht in Gang“, erklärt Lippmann.
Wenn die staatlichen Sondervermögen ausgeschöpft seien, könne auch der derzeitige Wachstumsimpuls wieder nachlassen. Die IHK fordert deshalb unter anderem niedrigere Kosten für Unternehmen, weniger Bürokratie und eine Modernisierung der Infrastruktur.
Positiv bewertet Lippmann die Absicht der Bundesregierung, die Stromsteuer auf das europäische Mindestmaß abzusenken. Eine solche Maßnahme könne Unternehmen entlasten und ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit verbessern.
Erholung ohne nachhaltigen Aufschwung
Die Herbstumfrage der IHK Darmstadt zeichnet damit ein gemischtes Bild der südhessischen Wirtschaft. Während sich die aktuelle Geschäftslage verbessert hat, bleiben die Erwartungen zurückhaltend.
Hohe Kosten, wirtschaftspolitische Unsicherheiten und eine schwache Investitionsbereitschaft verhindern nach Einschätzung der Kammer bislang eine nachhaltige wirtschaftliche Erholung.
Der vollständige Konjunkturbericht Herbst 2026 steht auf der Internetseite der IHK Darmstadt zur Verfügung.
(DARMSTADT – RED/IHK)


