Institut für Neue Musik diskutiert „Echtheit“ vom 8. bis 11. April
Vom 8. bis 11. April 2026 lädt das Institut für Neue Musik und Musikerziehung (INMM) zur 79. Frühjahrstagung in die Akademie für Tonkunst Darmstadt in Darmstadt ein. Die Tagung steht unter dem Titel „echt“ und widmet sich Fragen nach Echtheit, Glaubwürdigkeit und Nachprüfbarkeit in einer medial geprägten Welt.
Im Mittelpunkt stehen künstlerische Projekte und Kompositionen, die mit Ambivalenz, Opazität sowie dem Spannungsfeld von Zeigen und Verbergen arbeiten. Kunst wird dabei als Raum produktiver Irritation verstanden, in dem Unsicherheit zum Ausgangspunkt von Erkenntnis werden kann.
Interdisziplinärer Auftakt
Zum Auftakt diskutieren die Philosophin Petra Gehring, der Kunsthistoriker Henry Keazor und der Komponist Bernd Leukert die Frage nach Bild und Abbild im Kontext aktueller Debatten um mediale Scheinwirklichkeiten. Von dort aus spannt sich der Bogen zu alternativen Wahrnehmungsformen, physiologischen und psychologischen „Parallelwelten“ sowie zu neuen Anforderungen an Konzert- und Opernformate.
Ein Themenblock widmet sich zudem Fragen der Wahrnehmung bei Menschen mit Beeinträchtigungen. Das Musiktheater-Kollektiv [in]operabilities greift entsprechende Fragestellungen auf. Der gehörlose Pianist und Musikvermittler Paul Whittaker beleuchtet die These, dass musikalische Vorstellungen nicht zwingend von akustischen Reizen abhängig sind. Dieser Programmpunkt wird in Gebärdensprache gedolmetscht.
Schwerpunkt Rebecca Saunders
Ein weiterer Schwerpunkt gilt der Musik der Komponistin Rebecca Saunders. In Gesprächen mit der Künstlerin sowie Beiträgen von Tina Vogel und Julia Kursell sollen neue Analyseansätze vorgestellt werden, die Multiperspektivität als künstlerische Qualität berücksichtigen.
Auch musikpädagogische Fragestellungen werden aufgegriffen. Expertinnen und Experten wie Ivo Berg und Lukas Bugiel diskutieren, wie Pluralität, Ambivalenz und produktive Verunsicherung im Musikunterricht behandelt werden.
Konzerte, Workshops und Parcours
Die Frühjahrstagung verbindet traditionell Konzerte, Vorträge, Diskussionsrunden, Workshops, Hörlabore und einen Parcours, der Projekte aus Schulen und Universitäten vorstellt.
Im Konzertprogramm vertreten ist unter anderem die Komponistin Julia Mihály, die in einem Workshop mit Kindern die Technik von Field Recordings erkundet. Der Schlagzeuger Rodrigo Constanzo erläutert seine komplexen Performance-Formate. Eine Konzertinstallation von Wojtek Blecharz lädt zu immersivem, verkörpertem Hören ein.
Mit dem Tagungstitel „echt“ will das INMM keine essentialistische Position vertreten, sondern eine offene Plattform für kritischen Austausch über künstlerische Deutungsspielräume schaffen.
Veranstaltungsort ist die Akademie für Tonkunst, Ludwigshöhstraße 120 in Darmstadt.
(DARMSTADT – RED/PM)
Beitragsbikld: Goldstein
