Mitgliederversammlung diskutiert neue Tribünen und Beteiligung der Fans
Der SV Darmstadt 98 denkt über einen weiteren Ausbau des Merck-Stadions am Böllenfalltor nach. Eine Modernisierung der Südtribüne und möglicherweise auch der Nordtribüne könnte die Zuschauerkapazität auf rund 20.000 Plätze erhöhen. Das wurde bei der ordentlichen Mitgliederversammlung am Dienstag, 20. Oktober 2026, bekannt. Mehr als 400 Vereinsmitglieder waren in die Sporthalle am Böllenfalltor gekommen. Neben den Stadionplänen standen die wirtschaftliche Situation, personelle Entscheidungen und Ehrungen auf der Tagesordnung.
Der Verein schloss das Geschäftsjahr 2025/2026 bei einem Umsatz von 48,08 Millionen Euro mit einem kleinen Gewinn ab. Zugleich machte Präsident Markus Pfitzner deutlich, dass die Verantwortlichen mit der aktuellen sportlichen Entwicklung nicht zufrieden sind.
Südtribüne könnte mehr als 5.000 Plätze erhalten
Ein zentrales Thema der Mitgliederversammlung war die mögliche Weiterentwicklung des Merck-Stadions. Nach ersten Gesprächen mit den zuständigen Behörden erscheint ein Umbau der Südtribüne und eventuell auch der Nordtribüne grundsätzlich möglich. Eine endgültige Entscheidung ist allerdings noch nicht gefallen.
Vizepräsident Arnd Zinnhardt stellte erste Überlegungen vor. Demnach könnte die Südtribüne durch einen Neubau in Betonbauweise ersetzt werden, der mehr als 5.000 Steh- und Sitzplätze bietet. Auch ein zusätzlicher Business-Bereich wird geprüft. Dabei sollen die Interessen der Fans berücksichtigt werden.
Für die Nordtribüne steht eine Kapazität von rund 3.500 Plätzen im Raum. Dort könnten künftig sowohl Heim- als auch Gästefans untergebracht werden.
Eine Verlagerung des Gästebereichs auf die Nordtribüne hätte Auswirkungen auf die bisherige Stadionaufteilung: Die Gegengerade könnte anschließend vollständig den Anhängern des SV Darmstadt 98 zur Verfügung stehen.
Insgesamt würde die Kapazität des Böllenfalltors bei einer Umsetzung der Pläne auf etwa 20.000 Zuschauer steigen.
Fans könnten sich finanziell am Stadion beteiligen
Noch offen ist, wie ein möglicher Umbau finanziert werden könnte. Neben Zuschüssen der Stadt Darmstadt und des Landes Hessen prüft der Verein ein Beteiligungsmodell für Fans, Mitglieder und Sponsoren.
Denkbar ist die Gründung einer Genossenschaft, deren Anteile erworben werden könnten. Die Einnahmen würden zur Finanzierung des Stadionprojekts beitragen. Damit möchte der Verein den Anteil klassischer Fremdfinanzierung möglichst gering halten.
Erste Sondierungsgespräche über öffentliche Zuschüsse haben bereits stattgefunden.
Darmstadts Oberbürgermeister Hanno Benz äußerte sich während der Mitgliederversammlung zuversichtlich: „Ich bin sehr optimistisch, dass Stadt, Land und Verein gemeinsam eine Finanzierung hinbekommen.“
Die Stadt werde sich ihrer Verantwortung nicht entziehen, betonte Benz und sagte dem Verein die Unterstützung Darmstadts zu.
Kosten und Baubeginn noch völlig offen
Trotz der ersten Überlegungen befindet sich das Projekt noch in einer frühen Planungsphase. Weder die Gesamtkosten noch mögliche Bautermine stehen bislang fest. Auch die endgültige Machbarkeit und konkrete Gestaltung der Tribünen müssen noch geprüft werden.
In den kommenden Wochen und Monaten will der Verein weitere Gespräche mit Fachleuten führen und dabei auch Fans und Mitglieder einbeziehen. Über das mögliche Genossenschaftsmodell sollen ebenfalls zusätzliche Informationen folgen.
Präsident Markus Pfitzner betonte, dass der Stadionausbau zur langfristigen Entwicklung des Vereins beitragen müsse.
„Wir möchten mehr Menschen ermöglichen, die Lilien am Böllenfalltor zu erleben, damit der Verein in seiner Gesamtheit weiter wachsen kann“, erklärte Pfitzner. Oberste Voraussetzung bleibe dabei die wirtschaftliche Stabilität.
SV Darmstadt 98 erzielt kleinen Gewinn
Finanzvorständin Anne Baumann stellte den Mitgliedern die wirtschaftlichen Kennzahlen für das Geschäftsjahr vom 1. Juli 2025 bis zum 30. Juni 2026 vor.
Bei einem Umsatz von 48,08 Millionen Euro erwirtschaftete der Verein einen Gewinn nach Steuern von 0,05 Millionen Euro, entsprechend rund 50.000 Euro.
Das Eigenkapital belief sich zum Ende des Geschäftsjahres auf 26,16 Millionen Euro.
Damit schloss der SV Darmstadt 98 das Geschäftsjahr mit einem positiven Ergebnis ab, wenngleich der Überschuss im Verhältnis zum Umsatz gering ausfiel.
Pfitzner kritisiert sportliche Achterbahnfahrt
Neben den wirtschaftlichen Zukunftsprojekten beschäftigte die Vereinsführung auch die aktuelle sportliche Situation.
Präsident Markus Pfitzner äußerte sich unzufrieden über die schwankenden Leistungen der Mannschaft.
„Wir sind mit der aktuellen sportlichen Entwicklung nicht zufrieden, die im Moment einer Achterbahnfahrt gleicht“, erklärte er.
Die Stabilisierung der sportlichen Leistungen habe deshalb oberste Priorität. Gleichzeitig müsse der Verein über die laufende Saison hinausdenken und langfristige Projekte vorantreiben.
Dazu gehöre auch der Mut, neue Wege zu gehen, die zum SV Darmstadt 98 passen und eine nachhaltige Weiterentwicklung ermöglichen.
Veränderungen im Verwaltungsrat und Ältestenrat
Bei der Mitgliederversammlung wurden mehrere personelle Entscheidungen getroffen.
Für den Verwaltungsrat bestätigten die Mitglieder Frank Friedrich Grossmann, Felix Hotz, Andrea Petkovic, Markus Rusam, Mitsch Schulz und Frank Wahl.
Martin Güldenberg und Thomas Schmidt schieden auf eigenen Wunsch aus dem Gremium aus und wurden verabschiedet.
Auch beim Ältestenrat gab es Veränderungen. Das Gremium kann künftig aus bis zu vier Mitgliedern bestehen. Zudem wurde eine Regelung zur Nachbesetzung während der laufenden Amtszeit beschlossen.
Für den ausscheidenden Peter Schmidt und den neu geschaffenen zusätzlichen Sitz wurden Wolfgang Arnold und Prof. Dr. Thomas Spengler bis zur Neuwahl 2027 gewählt. Gemeinsam mit Gerda Krüger und Jürgen Pforr bilden sie künftig den Ältestenrat.
Darüber hinaus wurden die Unvereinbarkeitsregelungen für Vereinsämter in der Satzung an veränderte Anforderungen des Lizenzierungsverfahrens angepasst.
Fabian Holland zum Ehrenspielführer ernannt
Eine besondere Ehrung erhielt der langjährige Kapitän Fabian Holland. Auf Antrag des Präsidiums beschlossen die Mitglieder, ihn zum Ehrenspielführer des SV Darmstadt 98 zu ernennen.
Die Entscheidung wurde von großem Applaus begleitet.
Weitere Auszeichnungen erhielten Peter Schmidt und Ernst Hinkel. Beide wurden für ihre langjährigen Verdienste um den Verein zu Ehrenmitgliedern ernannt. Hinkel hatte über viele Jahre die Tischtennisabteilung des SV Darmstadt 98 geleitet.
Die wichtigsten Zahlen und Fakten
Mitgliederversammlung: Dienstag, 20. Oktober 2026
Teilnehmer: Mehr als 400 Vereinsmitglieder
Geschäftsjahr: 1. Juli 2025 bis 30. Juni 2026
Umsatz: 48,08 Millionen Euro
Gewinn nach Steuern: 50.000 Euro
Eigenkapital: 26,16 Millionen Euro
Geplante Stadionkapazität: rund 20.000 Zuschauer
Mögliche neue Südtribüne: mehr als 5.000 Steh- und Sitzplätze
Mögliche neue Nordtribüne: rund 3.500 Plätze für Heim- und Gästefans
Finanzierung: Öffentliche Zuschüsse, mögliches Genossenschaftsmodell und weitere Finanzierungsbausteine
Gesamtkosten und Baubeginn: noch offen
Besondere Ehrung: Fabian Holland zum Ehrenspielführer ernannt
(DARMSTADT – RED/SV98)


