Beobachtung, Vorbeugung und Jagd sollen Konflikte zwischen Mensch und Tier reduzieren
Füchse, Waschbären, Wildschweine, Gänse und Nutrias gehören inzwischen zum Stadtbild Darmstadts. Die Wissenschaftsstadt setzt deshalb auf ein umfassendes Wildtiermanagement, das Konflikte zwischen Mensch und Tier möglichst vermeiden soll. Ziel sei nicht eine wildtierfreie Stadt, sondern ein verantwortungsvolles Miteinander, betont Grünflächendezernent Michael Kolmer.
„Unser Ziel ist kein wildtierfreies Darmstadt, sondern ein verantwortungsvolles Miteinander. Mit langfristiger Planung, ämterübergreifender Zusammenarbeit und nachhaltigen Maßnahmen schützen wir sowohl die Lebensqualität der Bürgerinnen und Bürger als auch die Tiere“, erklärt Kolmer.
Städte bieten Wildtieren ideale Lebensbedingungen: Gewässer liefern Wasser, Grünflächen bieten Nahrung und Rückzugsorte, hinzu kommen milde Winter sowie häufig achtlos weggeworfene Lebensmittel oder gezielte Fütterungen. Dadurch verlieren viele Tiere ihre natürliche Scheu vor Menschen und halten sich dauerhaft in Parks oder an Gewässern auf.
Steinbrücker Teich als aktueller Schwerpunkt
Besonders deutlich zeigt sich die Problematik derzeit am Steinbrücker Teich. Dort haben sich zahlreiche Nil- und Kanadagänse angesiedelt. Vor allem im Bereich des Spielplatzes führt der Kot der Tiere zu erheblichen Verschmutzungen. Regelmäßige Reinigungen schaffen zwar kurzfristig Abhilfe, lösen das Problem nach Angaben der Stadt jedoch nicht dauerhaft.
Nilgänse und Nutrias zählen zu den invasiven Arten, Kanadagänse gelten als potenziell invasiv. Sie können Uferbereiche, Grünanlagen und Lebensräume heimischer Tierarten beeinträchtigen.
Wildtierbeauftragter koordiniert Maßnahmen
Für das Wildtiermanagement ist ein städtischer Wildtierbeauftragter verantwortlich. Der ausgebildete Wildtierökologe beobachtet Bestände, berät Bürgerinnen und Bürger, dokumentiert Entwicklungen und entscheidet gemeinsam mit den zuständigen Stellen über geeignete Maßnahmen.
Zum Aufgabengebiet gehören unter anderem:
- Beobachtung und Erfassung von Wildtierbeständen,
- Beratung und Präventionsmaßnahmen,
- Vergrämung und Lebensraumgestaltung,
- Fang- und Jagdmaßnahmen,
- Nachsuche verletzter Tiere nach Wildunfällen,
- Unterstützung bei der Vorsorge gegen die Afrikanische Schweinepest.
Nicht jede Wildtiersichtung führt dabei automatisch zu einem Einsatz. Tätig wird der Wildtierbeauftragte beispielsweise bei verletzten oder kranken Tieren, nach Wildunfällen, bei Gefahren für Menschen oder wenn öffentliche Anlagen wie Spielplätze oder Sportflächen dauerhaft stark beeinträchtigt werden.
Gezielte Bejagung als Teil des Konzepts
Reichen Vorbeugung und Vergrämung nicht aus, setzt die Stadt auch auf eine gezielte Bejagung. Diese soll die Bestände regulieren und dafür sorgen, dass Wildtiere wieder mehr Abstand zu stark genutzten Bereichen halten. Die Einsätze erfolgen nach Angaben der Stadt unter strengen Sicherheits- und Tierschutzauflagen sowie außerhalb der üblichen Nutzungszeiten.
Auch am Steinbrücker Teich gehört die Bejagung zum Maßnahmenpaket. Ziel sei nicht, sämtliche Gänse zu entfernen, sondern ihre Zahl dauerhaft zu reduzieren und dadurch die Belastung der Spiel- und Liegewiesen zu verringern.
„Wo Vorbeugung und Vergrämung nicht ausreichen, ist die gezielte Bejagung ein notwendiges Instrument – immer unter strengen Sicherheits- und Tierschutzauflagen. Am Steinbrücker Teich geht es darum, die Kotbelastung für Familien dauerhaft zu reduzieren und den Tieren gleichzeitig ihren natürlichen Abstand zum Menschen zurückzugeben“, so Kolmer.
Die Stadt appelliert zudem an die Bevölkerung, Wildtiere nicht zu füttern und keine Lebensmittelreste in Parks oder an Gewässern zurückzulassen. Hinweise auf verletzte oder kranke Wildtiere sowie auffällige Tieransammlungen können per E-Mail an wildtierbeauftragter@darmstadt.de gemeldet werden.
(DARMSTADT – RED/PSD/stip)

