Ex-Lilien-Stadionsprecher präsentiert sein Buch „Gude, ihr Labbe“ am Böllenfalltor
Von Stephan Köhnlein
Endlich mal wieder was zum Lachen am Böllenfalltor! Nach dem ziemlich trostlosen Saisonausklang des SV Darmstadt 98 zuletzt sorgte in der Fußball-Sommerpause Peter Kunz in der Business Lounge des Merck-Stadions mit der Premieren-Lesung seines Buches „Gude, ihr Labbe – Humor ist Chefsache“ für reichlich gute Laune – und auch für ein paar nachdenklich-nostalgische Momente.

Mehr als 15 Jahre war Kunz Stadionsprecher der Lilien. Aber das ist nur einer von vielen Jobs: Bauingenieur, Moderator, Sänger, Comedian und jetzt auch noch Buchautor – der Mittfünfziger blickt auf ein bewegtes Leben zurück und hat noch einiges vor. „Selbstüberschätzung ist mein Lebensprinzip“, sagt er, um zu erklären, warum er so viele unterschiedliche Dinge gemacht hat, obwohl ihm das Talent dafür nicht immer in die Wiege gelegt wurde und er sich viel erarbeiten musste. Es ist diese Mischung aus Hartnäckigkeit und Selbstironie, die Kunz so besonders macht.
Im Doppelpass mit HR-Legende Dirk Schmitt
An diesem Abend im VIP-Bereich des Stadions spielt er sich die Bälle mit Dirk Schmitt zu, der fast vier Jahrzehnte lang die Radiostimme des Hessischen Rundfunks aus den Fußballstadien war. So entwickelt sich die Lesung vor rund 250 Besuchern schnell zu dem, was sie eigentlich ist: eine Bühnenshow zweier Männer, die ihr Handwerk am Mikrofon gelernt haben. Vorgelesen wird zwar auch. Aber vor allem wird erzählt.
Und gerade das alte Böllenfalltor liefert die besten Geschichten. Damals, als Kunz noch mit einer Lautsprecherbox auf der Laufbahn stand und die Aufstellung präsentiere und Kinder im maroden, halbleeren Stadion Fußball spielten. Der Kuchen stand damals angeblich in einer so niedrigen Ecke des Buffets, dass der große und kräftige Kunz nach dem Nachtisch erst einmal vom Physiotherapeuten wieder eingerenkt werden musste. „Heute arbeiten rund 50 Mitarbeiter im Verein, aber damals war noch vieles Freestyle“, sagt er.
Humor als Handwerk
Natürlich gehören auch die Pannen dazu. Etwa jener denkwürdige Nachmittag, an dem Michael Sadler, Frontmann der weltbekannten Band Saga, im Pausenprogramm auftreten sollte – und schlicht vergessen wurde. Kunz erzählt solche Episoden nicht als Heldengeschichten, sondern eben mit jener Selbstironie eines Menschen, der weiß, dass aus Fehlern oft die besseren Pointen entstehen.
Überhaupt scheint Humor für ihn weniger Eingebung als Handwerk zu sein. Gute Gags bleiben, schlechte wirft er weg. So arbeitet sich ein Ingenieur zum Stand-up-Comedian hoch, landet im Quatsch Comedy Club und begeistert mit seiner Social-Media-Reihe „Hessisch für Anfänger“ Millionen Menschen. Lampenfieber? Fehlanzeige. Ob Stadionsprecher oder Comedian – der Puls bleibt ruhig.

Holzschnitzer oder Table Dancer als nächstes?
Dabei lebt Kunz von seiner hessischen Bodenhaftung. Schmitt bringt es auf den Punkt: „Peter Kunz steht für ganz Hessen.“ Vielleicht auch deshalb, weil seine Witze nie von oben herabkommen. Sie entstehen auf Augenhöhe – irgendwo zwischen Dorfplatz und Bundesliga, zwischen Selbstüberschätzung und Selbstironie. Vor diesem Hintergrund wirkt sein wechselhaftes Berufsleben fast folgerichtig. Was als Nächstes kommt? Vielleicht Holzschnitzer, witzelt er. Oder Table-Dancer – aber nur mit einem stabilen Tisch, wie er in Anspielung auf seine stattliche Figur grinsend sagt.
Am Ende bleibt der Eindruck, dass dieser Abend weniger eine Buchvorstellung als eine Heimkehr war. Einer, der das Böllenfalltor nie ganz verlassen hat. Denn manche Stimmen verstummen nicht. Sie wechseln nur die Bühne.
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Fotos: Stephan Köhnlein
