Sondersitzung würdigt jahrzehntelangen Einsatz für die Stadt und die Demokratie – Jochen Auer posthum zum Ehrenstadtrat ernannt
Die Kreisstadt Groß-Gerau hat zahlreiche Kommunalpolitikerinnen und Kommunalpolitiker für ihr langjähriges ehrenamtliches Engagement ausgezeichnet. Im Rahmen einer Sondersitzung der Stadtverordnetenversammlung in der Stadthalle würdigte Stadtverordnetenvorsteherin Julia Hartmann (CDU) den teilweise jahrzehntelangen Einsatz der Geehrten für die Stadt und die kommunale Demokratie.
Ein besonders emotionaler Moment war die posthume Ernennung des verstorbenen Jochen Auer zum Ehrenstadtrat. Der Sozialdemokrat hatte von 1993 bis 2023 und damit mehr als 30 Jahre dem Magistrat angehört. Seine Frau Inge nahm die Ernennungsurkunde entgegen. Die Anwesenden erhoben sich zu langem Applaus.
„Demokratie lebt vom Mitmachen“
Hartmann erinnerte in ihrer Rede daran, wie viel Zeit und persönlicher Einsatz mit einem kommunalpolitischen Ehrenamt verbunden sind. Fraktions-, Ausschuss- und Stadtverordnetensitzungen, politische Auseinandersetzungen und die Suche nach Kompromissen seien alles andere als selbstverständlich.
Demokratie lebe vom Mitmachen, betonte die Stadtverordnetenvorsteherin. Genau dies hätten die Geehrten über viele Jahre getan. „Damit sind Sie für mich Vorbilder.“
Gleichzeitig thematisierte Hartmann den zunehmend rauen Umgang mit Menschen in politischen Ämtern. Mandatsträgerinnen und Mandatsträger seien insbesondere in sozialen Medien immer wieder mit Vorwürfen, Beleidigungen und sogar Bedrohungen konfrontiert. „Ich wünsche mir, dass wir als Gesellschaft achtsamer miteinander umgehen, den Respekt voreinander bewahren, denn auch hinter jedem Amtsträger, jeder Amtsträgerin steckt vor allem eines: ein Mensch.“
Wieser und Meinke werden Ehrenstadtverordnetenvorsteher
Besondere Ehrungen erhielten auch Christian Wieser (CDU) und Klaus Meinke (SPD). Beide wurden zu Ehrenstadtverordnetenvorstehern ernannt und mit stehendem Applaus bedacht.
Wieser gehörte der Stadtverordnetenversammlung zunächst von 1981 bis 1984 und anschließend von 1997 bis 2026 an. Von 2011 bis 2016 sowie erneut von 2021 bis 2026 war er Stadtverordnetenvorsteher. In seiner Rede stellte er die Verteidigung der Demokratie über Parteigrenzen hinweg in den Mittelpunkt. Zwar gehöre er der CDU an, sein „Oberbegriff“ sei jedoch die Demokratie. Demokraten müssten gemeinsam verhindern, dass Menschen demokratische Verfahren nutzten, um später die Demokratie selbst abzuschaffen.
Auch Klaus Meinke warb für eine lebendige politische Streitkultur. „Demokraten müssen streiten, aber auch Kompromisse finden können“, erklärte der Sozialdemokrat. Die Stadtverordnetenversammlung sei schließlich „kein Gesangverein Harmonie“.
Meinke wurde für mehr als 35 Jahre kommunalpolitische Tätigkeit geehrt – eine Dauer, für die es laut Stadt in der Hauptsatzung bislang gar keine eigene Regelung gibt. Er gehörte bereits von 1972 bis 1976 der Stadtverordnetenversammlung an, zog 1993 erneut ins Parlament ein und war von 2001 bis 2026 wiederum Stadtverordneter. Von 2001 bis 2006 und von 2016 bis 2021 leitete er als Stadtverordnetenvorsteher die Sitzungen. Zwischen 1997 und 2001 war Meinke zudem ehrenamtlicher Erster Stadtrat.
Weitere Ehrungen für jahrzehntelanges Engagement
Für mehr als 30 Jahre ehrenamtliche Tätigkeit zeichnete die Stadt außerdem den langjährigen CDU-Fraktionsvorsitzenden Joachim Hartmann, Ilse Scheuner, Eva-Maria Krings (CDU), Abraham Naduvilezhath (CDU) und den langjährigen Vorsitzenden des Kultur- und Sportausschusses Volker Sperfechter (CDU) aus.
Auf mehr als 25 Jahre kommunalpolitisches Engagement kommen der langjährige Kombi/FWG-Fraktionsvorsitzende Karlheinz Wamser und Karin Rückert (Grüne). Für mehr als 20 Jahre wurden Horst-Dieter Becker (Grüne), Elke Weber (Kombi-FWG), Petra Bog (CDU), Günter Bertrams (SPD) und der frühere ehrenamtliche Erste Stadtrat Jürgen Schulz (CDU) ausgezeichnet.
Seit mehr als zwölf Jahren engagieren sich Sonja Dewald (SPD), Julia Hartmann (CDU), Christina Reinhardt (SPD) und Elisabeth Schweikert (Grüne) sowie die Schriftführerinnen Indra Lämmermann und Tanja Henzel.
Ehrenbezeichnungen werden in Groß-Gerau für eine mindestens 20-jährige Mandats- oder Amtsausübung verliehen. Nach bisheriger Praxis erfolgt die Verleihung nach dem Ausscheiden aus den städtischen Gremien.

Persönlicher Dank statt großer Geschenke
Angesichts der angespannten finanziellen Situation der Kreisstadt verzichtete Groß-Gerau bei der Ehrung auf Geschenke. Stadtverordnetenvorsteherin Hartmann hatte stattdessen selbst gestaltete Kekse als persönliche Aufmerksamkeit für die Geehrten gebacken.
Neben den Urkunden überbrachten Bürgermeister Jörg Rüddenklau (SPD) und die ehrenamtliche Erste Stadträtin Susanne Theisen-Canibol ihre Glückwünsche. Rüddenklau trug zu dem besonderen Anlass die Amtskette der Stadt. Wer nicht an der Sondersitzung teilnehmen konnte, soll seine Urkunde zu einem späteren Zeitpunkt erhalten.
(GROSS-GERAU – RED/PSGG)

