Jubiläum erinnert an die Anfänge der Neuen Musik im Jahr 1946
Die Darmstädter Ferienkurse feiern in diesem Jahr ihr 80-jähriges Bestehen. 1946 fanden im Jagdschloss Kranichstein erstmals die „Ferienkurse für internationale neue Musik“ statt. Aus der Veranstaltung der unmittelbaren Nachkriegszeit entwickelte sich in acht Jahrzehnten ein international bedeutender Treffpunkt für zeitgenössische Musik. Das Jubiläum wird mit Konzerten in Frankfurt und New York gefeiert, der Höhepunkt folgt im Juli 2027 in Darmstadt.
Die Planungen für die ersten Ferienkurse hatte der damalige Darmstädter Kulturreferent Wolfgang Steinecke unmittelbar nach Kriegsende aufgenommen. Darmstadt war bei der Brandnacht im September 1944 weitgehend zerstört worden. Die neuen Ferienkurse sollten deshalb nicht nur ein musikalisches Ereignis sein, sondern verstanden sich auch als Teil des geistigen und demokratischen Wiederaufbaus.
Musik, die während der NS-Zeit verboten war
Musik, die während des Nationalsozialismus als „entartet“ diffamiert und verboten worden war, wurde in Darmstadt wieder gespielt, gelehrt und diskutiert. Junge Musikerinnen und Musiker aus Deutschland trafen erstmals seit zwölf Jahren wieder auf Kolleginnen und Kollegen aus dem Ausland. Konzerte, Unterricht und Diskussionen sowie der offene Streit über Ästhetik und neue Ausdrucksformen prägten das Konzept der Ferienkurse.
Aus dieser Gründungsidee entwickelte sich in den folgenden Jahrzehnten eine internationale Ausstrahlung. Die Verbindung von Festival, Akademie und Diskussionsraum machte die Darmstädter Ferienkurse zu einer bedeutenden Institution der zeitgenössischen Musik und den Namen Darmstadt international zu einem Begriff für Neue Musik.
Teilnehmer aus rund 50 Nationen
Bis heute ziehen die Ferienkurse junge Menschen aus aller Welt nach Darmstadt. Die Wissenschaftsstadt fördert und unterhält sie über das Internationale Musikinstitut Darmstadt (IMD). Der Aufbau und die Pflege internationaler kultureller Beziehungen gehörten von Beginn an zu den zentralen Zielen.
Alle zwei Jahre kommen Menschen aus rund 50 Nationen zu den Ferienkursen. Für zwei Wochen wird Darmstadt damit zum Treffpunkt der internationalen Musikszene. Mehr als 50 öffentliche Konzerte im gesamten Stadtgebiet richten sich zugleich an das regionale Publikum.
Eine weitere Bedeutung kommt dem Archiv des Internationalen Musikinstituts zu. Es bewahrt ein nach Angaben der Stadt weltweit einzigartiges Gedächtnis der Musik nach 1945 und damit einen wesentlichen Teil des kulturellen Erbes der Darmstädter Ferienkurse.
(DARMSTADT – RED/PSD/stip)


