Neue Fluglärmmessungen bestätigen Entlastung, zeigen aber Probleme in Wixhausen
Die verlegte Abflugroute Cindy S am Frankfurter Flughafen sorgt in weiten Teilen Darmstadts für weniger Fluglärm. Besonders Arheilgen und Kranichstein profitieren von der neuen Streckenführung. Am nördlichen Ortsrand von Wixhausen hat die Belastung dagegen zugenommen. Das bestätigen die aktuellen Ergebnisse der Fluglärmuntersuchungen, die am Freitag, 23. Oktober 2026, beim Forum Flughafen und Region (FFR) vorgestellt wurden.
Trotz der zusätzlichen Belastung in Teilen von Wixhausen spricht sich der Magistrat der Wissenschaftsstadt Darmstadt dafür aus, die Verlagerung der Abflugroute dauerhaft beizubehalten. Gleichzeitig fordert die Stadt schnelle Schallschutzmaßnahmen für betroffene Anwohner und weitere Verbesserungen des Flugverlaufs.
Arheilgen und Kranichstein profitieren von neuer Flugroute
Die aktuellen Untersuchungen bestätigen nach Einschätzung der Stadt die Berechnungen, die vor der Verlagerung der Abflugroute vorgenommen worden waren.
Insbesondere in Arheilgen ist der Fluglärm demnach deutlich zurückgegangen. Auch Kranichstein profitiert von der neuen Streckenführung.
Anders stellt sich die Situation in Wixhausen dar. Dort hat sich der Schwerpunkt der Fluglärmbelastung vom südlichen an den nördlichen Ortsrand verschoben.
Umweltdezernent Michael Kolmer verweist darauf, dass sich die Stadt bereits im Vorfeld für einen möglichst mittigen Flugverlauf zwischen Wixhausen und Erzhausen eingesetzt habe.
Im Vergleich zum ersten Probebetrieb sei für den nördlichen Ortsrand von Wixhausen zwar eine Verbesserung erreicht worden. Dennoch sei es dort durch die Verlagerung lauter geworden.
Kolmer äußert deshalb Verständnis für die Enttäuschung der betroffenen Anwohnerinnen und Anwohner.
Messstationen zeigen Verschiebung des Fluglärms
Bereits bei einer Bürgerveranstaltung am 23. September im Bürgermeister-Pohl-Haus in Wixhausen waren Ergebnisse der städtischen Fluglärmmessungen vorgestellt worden.
Dabei wurden insbesondere die Daten der Messstationen auf dem Bürgermeister-Pohl-Haus und in der Ostendstraße ausgewertet.
Die Messungen in der Ostendstraße belegen eine Entlastung am südlichen Ortsrand von Wixhausen.
Gleichzeitig zeigen die Untersuchungen, dass die frühere Fluglärmbelastung am Südrand in etwa mit der heutigen Belastung am Nordrand vergleichbar ist.
Die Verlagerung hat somit innerhalb Wixhausens zu einer deutlichen Verschiebung der Lärmbelastung geführt.
Magistrat spricht sich für dauerhafte Verlagerung aus
Auf Grundlage der Untersuchungsergebnisse hat der Magistrat eine Vorlage beschlossen, nach der sich Darmstadt in der Fluglärmkommission für die Beibehaltung der verlegten Abflugroute einsetzen soll.
Die entscheidende Sitzung der Fluglärmkommission ist für Anfang Dezember vorgesehen.
Die Vorlage wurde bereits im Ortsbeirat Wixhausen behandelt. Weitere Beratungen sollen im Ausschuss für Klimaschutz, Nachhaltigkeit, Umwelt und Stadtplanung sowie in der Stadtverordnetenversammlung folgen.
Oberbürgermeister Hanno Benz begründet die Haltung des Magistrats mit der Entlastung für die Gesamtstadt.
„Mit Blick auf die Gesamtstadt haben wir uns dafür ausgesprochen, die Verlagerung zu verstetigen“, erklärt Benz.
Gleichzeitig müsse die hohe Belastung am Wixhäuser Nordrand berücksichtigt werden. Insbesondere in der Nacht sei eine weitere Verringerung des Fluglärms notwendig.
Stadt fordert schnellen Schallschutz für Wixhausen
Neben der Beibehaltung der Abflugroute fordert der Magistrat eine möglichst schnelle und unkomplizierte Umsetzung passiver Schallschutzmaßnahmen.
Gemeint sind Maßnahmen an betroffenen Gebäuden, die den Fluglärm in Innenräumen verringern sollen.
Hier sieht die Stadt insbesondere das Land Hessen und den Flughafenbetreiber Fraport in der Verantwortung.
Darüber hinaus soll sich die weitere Arbeit am Fluglärmschutz in Wixhausen verstärkt auf schwere, ältere und besonders laute Langstreckenflugzeuge konzentrieren. Dies gilt insbesondere für Flüge während der Nachtstunden.
Oberbürgermeister Benz nennt neben dem Land Hessen und Fraport auch dessen Anteilseigner sowie die Lufthansa als größte Fluggesellschaft am Frankfurter Flughafen.
Diese Akteure müssten nach Auffassung der Stadt dazu beitragen, die Belastung für die betroffenen Menschen zu reduzieren.
Bis zu 20.000 Menschen in der Region profitieren
Die beim Forum Flughafen und Region vorgestellten Ergebnisse betrachten nicht nur Darmstadt, sondern die gesamte Region rund um den Frankfurter Flughafen.
Auch diese Auswertungen bestätigen, dass die tatsächlichen Auswirkungen der verlegten Abflugroute weitgehend den ursprünglichen Erwartungen entsprechen.
Je nach Berechnungsweise des Frankfurter Fluglärmindex profitieren durch die neue Streckenführung bis zu 20.000 Menschen in der Gesamtregion von einer geringeren Fluglärmbelastung.
Untersucht wurde außerdem, ob eine zeitlich abwechselnde Nutzung der alten und neuen Abflugroute eine sinnvolle Alternative sein könnte.
Die Berechnungen zeigen jedoch, dass die derzeitige Streckenführung unter allen untersuchten Varianten insgesamt den größten Entlastungseffekt erzielt.
Weitere Verbesserungen zwischen Wixhausen und Erzhausen prüfen
Trotz der positiven Gesamtbilanz könnten weitere Anpassungen des Flugverlaufs möglich sein.
Die Hessische Fluglärmschutzbeauftragte Regine Barth hat vorgeschlagen, den Streckenverlauf zwischen Wixhausen und Erzhausen erneut zu überprüfen.
Dabei soll untersucht werden, ob Flugzeuge noch konsequenter mittig zwischen den beiden Orten geführt werden können.
Zudem wurde der Flugsicherung nahegelegt, direkte Überflüge von Wixhausen möglichst zu vermeiden, auch wenn diese grundsätzlich zulässig sind.
Umweltdezernent Michael Kolmer kündigt an, diese Vorschläge in der Fluglärmkommission aufzugreifen.
„Wenn sich hier eine Umsetzungschance ergibt, muss diese aus meiner Sicht unbedingt ergriffen werden“, betont Kolmer.
Entscheidung Anfang Dezember erwartet
Mit der anstehenden Sitzung der Fluglärmkommission Anfang Dezember steht eine wichtige Entscheidung über die Zukunft der Abflugroute Cindy S bevor.
Die Stadt Darmstadt will sich dabei für die dauerhafte Beibehaltung der Verlagerung einsetzen, zugleich aber auf Verbesserungen für die besonders belasteten Bereiche in Wixhausen drängen.
Weitere Informationen und die Präsentationen der Bürgerveranstaltung sind unter www.darmstadt.de/fluglaerm abrufbar.
Die vollständigen Untersuchungsunterlagen stellt das Forum Flughafen und Region in seinem Downloadbereich zur Abflugroute Cindy S zur Verfügung.
Die wichtigsten Informationen
Thema: Verlagerung der Abflugroute Cindy S am Frankfurter Flughafen
Aktuelle Ergebnisse: Vorgestellt am 23. Oktober 2026 beim Forum Flughafen und Region
Entlastete Darmstädter Stadtteile: Insbesondere Arheilgen und Kranichstein sowie der südliche Ortsrand von Wixhausen
Zusätzliche Belastung: Nördlicher Ortsrand von Wixhausen
Regionale Auswirkungen: Bis zu 20.000 Menschen profitieren je nach Berechnung des Frankfurter Fluglärmindex von einer Entlastung
Position des Magistrats: Beibehaltung der verlegten Abflugroute
Forderungen: Schnelle passive Schallschutzmaßnahmen, Verringerung nächtlicher Fluglärmbelastung und Prüfung weiterer Routenoptimierungen
Nächster wichtiger Termin: Sitzung der Fluglärmkommission Anfang Dezember 2026
Weitere Informationen: www.darmstadt.de/fluglaerm
(DARMSTADT – RED/PSD/stip)


