Ausstellung „My Framed New World“ in Darmstadt hinterfragt Bilder und Identität
Was geschieht mit der Fotografie, wenn ein Fotograf beschließt, keine neuen Bilder mehr aufzunehmen? Dieser Frage widmet sich der Darmstädter Künstler Florian Albrecht-Schoeck in seiner Ausstellung „MY FRAMED NEW WORLD“. Vom 31. Oktober bis 5. Dezember 2026 zeigt die Darmstädter Sezession seine Arbeiten im Raum für Kunst in der Luisenstraße 16. Dabei verbindet der Künstler klassische Fotografie mit künstlicher Intelligenz und Machine Learning.
Die Ausstellung wird bereits am Freitag, 30. Oktober, um 19 Uhr eröffnet. Eine Einführung in die Arbeiten gibt Dr. Katrin Weleda.
Wenn der Fotograf aufhört zu fotografieren
Am Anfang der Ausstellung steht eine ungewöhnliche künstlerische Entscheidung: Florian Albrecht-Schoeck hat aufgehört, neue Fotografien aufzunehmen.
Damit wendet er sich jedoch nicht von der Fotografie ab. Stattdessen arbeitet er mit einem umfangreichen Archiv eigener Aufnahmen, das über viele Jahre entstanden ist.
Seine Entscheidung hat auch einen politischen Hintergrund. Angesichts gesellschaftlicher Entwicklungen und der Gewalt in der Welt möchte er die Gegenwart nicht einfach weiterhin fotografisch dokumentieren. Der bewusste Verzicht auf neue Aufnahmen wird damit selbst zu einer künstlerischen Aussage.
Die vorhandenen Bilder bleiben jedoch Ausgangspunkt seiner Arbeit. Sie werden neu verarbeitet, verändert und in andere Zusammenhänge gebracht.
Künstliche Intelligenz als künstlerisches Werkzeug
Für seine neuen Bildwelten entwickelt Albrecht-Schoeck eigene technische Verfahren. Dabei beschäftigt er sich intensiv mit Machine Learning, einer Methode der künstlichen Intelligenz, bei der Computersysteme anhand vorhandener Daten bestimmte Muster und Zusammenhänge erlernen.
Der Künstler nutzt frei verfügbare Open-Source-Modelle, die er für seine eigenen Fragestellungen weiterentwickelt und mit fotografischem Material aus seinem Archiv trainiert.
Dabei überlässt er die Bilderzeugung nicht vollständig einer undurchsichtigen technischen Anwendung. Vielmehr gestaltet er die Bedingungen, unter denen neue Bilder entstehen, gezielt selbst.
Auch die klassische Fotografie bleibt Teil dieses Prozesses. So werden künstlich erzeugte Bilder beispielsweise auf fotografische Bildträger übertragen oder erneut fotografiert.
Zwischen vertrauten Bildern und künstlichen Identitäten
Ein zentrales Motiv der Ausstellung ist der Künstler selbst. Albrecht-Schoeck erscheint in seinen Arbeiten in unterschiedlichen Gestalten, Altersstufen und Identitäten.
Mal zeigt er sich als Mann, mal als Frau, als Kind, Erwachsener oder alter Mensch. Er schlüpft in verschiedene historische Rollen und verändert sein Erscheinungsbild mithilfe digitaler Bildverfahren.
Damit stellt er Fragen nach Individualität und Identität, aber auch nach der Glaubwürdigkeit fotografischer Bilder.
Was lässt sich aus einem Bild noch über die Wirklichkeit ableiten, wenn Gesichter, Körper und ganze Bildwelten künstlich erzeugt oder verändert werden können?
Humor, Verfremdung und das Unheimliche
Die Arbeiten bewegen sich zwischen unterschiedlichen Bildsprachen und historischen Stilrichtungen. Vertraute Motive werden verändert, miteinander kombiniert und in neue Zusammenhänge gebracht.
Dabei entstehen Bilder, die auf den ersten Blick bekannt erscheinen, bei genauerem Hinsehen jedoch zunehmend fremd wirken.
Dieses Phänomen erinnert an das sogenannte „Uncanny Valley“, bei dem künstlich erzeugte Darstellungen eine irritierende Wirkung entfalten, weil sie der Realität sehr nahekommen, ohne vollständig mit ihr übereinzustimmen.
Neben solchen irritierenden Momenten spielen auch Humor, Übertreibung und Absurdität eine wichtige Rolle. Die Ausstellung verbindet damit technische Experimente mit gesellschaftlichen und politischen Fragestellungen.
Künstler mit Wurzeln in Darmstadt
Florian Albrecht-Schoeck wurde 1980 in Darmstadt geboren. Er studierte an der Hochschule für Gestaltung Offenbach am Main und schloss sein Studium dort 2014 mit dem Diplom ab.
Seit 2022 ist er an der Hochschule als Künstlerischer Mitarbeiter im Lehrgebiet Fotografie tätig. Seit 2026 arbeitet er zusätzlich als Machine-Learning-Experte in einem Forschungsprojekt der Hochschule.
Seine künstlerische Forschung bewegt sich an den Schnittstellen von Fotografie, Fotogrammetrie, künstlicher Intelligenz und Machine Learning.
Die wichtigsten Daten
Was: Ausstellung „MY FRAMED NEW WORLD“ von Florian Albrecht-Schoeck
Wann: 31. Oktober bis 5. Dezember 2026
Vernissage: Freitag, 30. Oktober 2026, 19 Uhr
Einführung: Dr. Katrin Weleda
Wo: Raum für Kunst der Darmstädter Sezession, Luisenstraße 16, Darmstadt
Öffnungszeiten Donnerstag und Freitag: 16 bis 19 Uhr
Öffnungszeiten Samstag: 12 bis 15 Uhr
Themen: Fotografie, künstliche Intelligenz, Machine Learning, Identität und Bildwirklichkeit
Veranstalter: Darmstädter Sezession
(DARMSTADT – RED/PM)


