Bund übernimmt fast 90 Prozent der Kosten für ökologische Revitalisierung
Der Moorteich im Darmstädter Bürgerpark soll umfassend ökologisch saniert werden. Die Arbeiten beginnen im Oktober 2026 und sollen das stark gefährdete, rund 7.000 Quadratmeter große Gewässer langfristig stabilisieren. Geplant sind unter anderem eine Entschlammung, eine neue Flachwasserzone und zusätzliche Lebensräume für Amphibien, Vögel, Insekten und Fische.
Das Gesamtprojekt des Grünflächenamtes läuft bis Ende Februar 2029. Einen Großteil der Finanzierung übernimmt der Bund: Das Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit fördert die Maßnahme über das „Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz“ mit 89,81 Prozent der Kosten.
Sauerstoffmangel und Verschlammung belasten den Moorteich
Der Moorteich leidet nach Angaben der Stadt unter akutem Sauerstoffmangel und Überdüngung. Durch den kontinuierlichen Eintrag von Laub und Geäst aus der dichten Ufervegetation hat sich zunehmend Faulschlamm gebildet. Dieser verbraucht Sauerstoff und setzt gleichzeitig das klimaschädliche Gas Methan frei. In der Vergangenheit kam es bereits zu einem Fischsterben.
Hinzu kommt, dass der dichte Gehölzbestand den Teich gegen Wind abschirmt. Dadurch wird die Wasseroberfläche weniger bewegt und der natürliche Sauerstoffeintrag reduziert. Hohe Phosphatwerte begünstigen zudem das Wachstum nährstoffliebender Algen.
Auch für Amphibien bietet das Gewässer bislang schlechte Bedingungen. Steile Ufer und fehlende Flachwasserzonen haben nach Angaben der Stadt dazu geführt, dass Amphibienpopulationen im gesamten Teichgebiet fehlen.
Neue Flachwasserzone am Westufer
Ein zentraler Bestandteil der Sanierung ist deshalb eine neue Flachwasserzone an der bislang ungenutzten Westseite des Teichs. Gleichzeitig wird das Gewässer entsprechend vergrößert.
Für die Arbeiten müssen 13 der rund 800 Bäume im Umfeld des Moorteichs entfernt werden. Sie stehen entweder der geplanten Flachwasserzone im Weg oder verhindern durch Beschattung und Windabschirmung eine bessere Sauerstoffversorgung des Wassers. Die Planung wurde nach Angaben der Stadt so angepasst, dass eine wertvolle Weidengruppe erhalten werden kann.
Nach der Entschlammung soll sich entlang des neu gestalteten Ufers eine Schilfzone entwickeln.
„Dieses Schilfröhricht wirkt wie eine natürliche Kläranlage, die Schad- sowie Nährstoffe filtert und die Wasserqualität langfristig sichert“, erklärt Umweltdezernent Michael Kolmer.
Neuer Lebensraum für Amphibien, Vögel und Fische
Das Schilf soll zugleich neue Lebensräume schaffen. Sing- und Wasservögel können die Bereiche als Rastplätze nutzen, Insekten finden neue Lebensbedingungen und Amphibien erhalten ein mögliches Laichhabitat. Für verschiedene Fischarten soll die Flachwasserzone künftig als Rückzugsraum und Kinderstube dienen.
Zusätzlich ist eine Bepflanzung mit ausgewählten heimischen Sumpf- und Wasserpflanzen vorgesehen, um die biologische Vielfalt am Moorteich weiter zu erhöhen.
Auch der dort vorkommende Eisvogel wird bei der Umgestaltung berücksichtigt. Am ruhigeren Westufer soll eine lehmig-sandige Steilwand mit einer frischen Abbruchkante entstehen, die dem Vogel eine geschützte Brutmöglichkeit bieten soll.
Die wesentlichen Arbeiten am Gewässer werden innerhalb des naturschutzrechtlich zulässigen Zeitfensters von Oktober 2026 bis Februar 2027 durchgeführt. Das gesamte Sanierungsprojekt läuft bis Ende Februar 2029.
(DARMSTADT – RED/PSD/stip)
