Darmstädter Hautklinik leitete bundesweite Studie mit 410 Patientinnen an elf Zentren
Eine unter Federführung der Hautklinik des Klinikums Darmstadt durchgeführte Studie liefert neue Daten zur Behandlung von Frauen mit Lipödem. Demnach führte eine Liposuktion bei den untersuchten Patientinnen häufiger zu einer relevanten Schmerzreduktion und einer Verbesserung der Lebensqualität als die Fortführung einer konservativen Therapie. Die Ergebnisse der sogenannten LIPLEG-Studie wurden im Fachjournal „The Lancet“ veröffentlicht.
An der randomisierten, kontrollierten und multizentrischen Studie nahmen 410 Patientinnen mit Lipödem der Stadien I bis III an insgesamt elf Zentren in Deutschland teil.
Liposuktion mit konservativer Therapie verglichen
Das Lipödem ist eine chronische Fettverteilungsstörung, die fast ausschließlich Frauen betrifft. Charakteristisch sind Fettansammlungen insbesondere an den Beinen, teilweise auch an den Armen. Damit können Schmerzen, Schweregefühl, Bewegungseinschränkungen und eine erhöhte Neigung zu Blutergüssen verbunden sein.
Die konservative Behandlung umfasst unter anderem Kompressionstherapie, manuelle Lymphdrainage und körperliche Aktivität. Frühere kleinere Untersuchungen hatten bereits Hinweise darauf geliefert, dass auch eine Liposuktion Beschwerden lindern kann.
In der LIPLEG-Studie erhielten zunächst alle Teilnehmerinnen über mehrere Monate eine konservative Standardtherapie. Anschließend wurden sie nach dem Zufallsprinzip verschiedenen Behandlungsgruppen zugeteilt: Bei einem Teil wurde eine Liposuktion vorgenommen, während die übrigen Patientinnen die konservative Therapie fortsetzten.
Deutlicher Unterschied bei der Schmerzreduktion
Zwölf Monate nach der Liposuktion zeigte sich nach Angaben der Studienautoren eine 26-fach höhere Wahrscheinlichkeit für eine relevante Schmerzreduktion gegenüber den Patientinnen, die weiterhin konservativ behandelt wurden.
Auch bei der Lebensqualität schnitt die Gruppe mit Liposuktion besser ab. Allerdings traten bei diesen Patientinnen mehr Komplikationen auf als in der Gruppe mit konservativer Therapie. Die Autoren betonen deshalb die Notwendigkeit einer ausführlichen ärztlichen Aufklärung und einer individuellen Abwägung von Nutzen und Risiken.
Die Untersuchung wird fortgeführt. Nach 36 Monaten sollen unter anderem Daten zu möglichen Spätkomplikationen, weiteren notwendigen Operationen und zur längerfristigen Zufriedenheit der Patientinnen ausgewertet werden.
Studie unter Leitung von Maurizio Podda
Geleitet wurde die Studie von Prof. Dr. Maurizio Podda, dem langjährigen Direktor der Hautklinik des Klinikums Darmstadt. Podda, der im August 2025 starb, hatte sich in seiner klinischen und wissenschaftlichen Arbeit schwerpunktmäßig mit dem Lipödem beschäftigt.

Das Klinikum Darmstadt fungierte als Sponsor der Studie. Beteiligt waren unter anderem die Universität zu Köln und das Universitätsklinikum Köln mit dem Zentrum für Klinische Studien sowie das Institut für Medizinische Statistik und Bioinformatik der Universität zu Köln. Zu den maßgeblich beteiligten Wissenschaftlern gehörte Prof. Dr. Oliver A. Cornely.
Die Studie wurde vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) unter Einbeziehung von Betroffenen initiiert und aus Mitteln der gesetzlichen Krankenversicherung finanziert. Nach Angaben des Klinikums trugen die Ergebnisse zur Entscheidung des G-BA bei, die Liposuktion unter bestimmten Voraussetzungen bei allen Stadien des Lipödems in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung aufzunehmen.
(DARMSTADT – RED/PM/Klinikum)

