Lilien-Legende startet neues Kapitel an der Brandenburger Straße
Neues Kapitel für Ex-Lilien-Spieler Tobias Kempe: Zum 1. Juli wird er Cheftrainer von Germania Eberstadt. Am Mittwoch (6. Mai) wurde er bei der ersten Pressekonferenz in der Eberstädter Vereinsgeschichte vorgestellt. Dort blickte Kempe, der mit dem SV Darmstadt 98 zweimal in die Bundesliga aufstieg, voller Vorfreude auf die neue Aufgabe, sprach über gescheiterte Pläne und verriet, warum ihn Eberstadt auf Anhieb an Darmstadt erinnert.
Die Begeisterung war allen Beteiligten im eigens hergerichteten Presseraum anzumerken. Bereits im Vorfeld war von einem „Meilenstein in der Vereinsgeschichte” gesprochen worden. Diese Worte führte der Sportliche Leiter Rainer Lanzer nun weiter aus: „Wir haben jetzt eine Legende von Darmstadt 98 hier als Cheftrainer. Ich kann gar nicht betonen, was das für uns bedeutet. Das ist ein Vorbild für die Kinder, für unsere jungen Talente.”

Kempe und Lanzer kennen sich schon lange. Die Idee zur Verpflichtung des ehemaligen Bundesliga-Profis seiganz spontan entstanden, beim gemeinsamen Fußballabend auf der Couch. „Ich habe aus Spaß gesagt: ‚Tobi, du könntest doch bei uns Trainer werden.’ Innerlich habe ich dabei gelacht und gedacht: Das kommt nie zustande”, blickt Lanzer zurück. Als wenig später klar wurde, dass Kempe sich das Engagement durchaus vorstellen könne, habe er „nachts kaum noch schlafen können vor lauter Begeisterung”.
Kaputtes Knie verhinderte Comeback als Spieler
Dabei hatte Kempe ausdrücklich betont, seine Karriere nach dem Abschied aus Darmstadt vor rund elf Monaten nicht beendet zu haben. Ziel sei es „noch bis vor kurzem” gewesen, weiter als Profi aktiv zu bleiben. Dem machte jedoch ein lädiertes Knie, das ihn schon beinahe das Abschiedsspiel mit den Lilien gekostet hätte, einen Strich durch die Rechnung – und die Frage nach dem nächsten Schritt drängte sich auf.
„Ich liebe den Fußball und habe viel miterlebt in meiner Spielerkarriere, was ich nun weitergeben kann. Hier habe ich die Möglichkeit mich in Ruhe zu entwickeln, mit jungen Menschen zusammenzuarbeiten und in meiner Persönlichkeit zu wachsen kann”, erklärte Kempe seine Entscheidung.
Erinnerungen an das alte Bölle
Kempe verspürt trotz der vielen Vorschusslorbeeren keinerlei Druck vonseiten des Vereins. „Wenn dann mache ich mir selbst Druck und damit konnte ich immer ganz gut umgehen”, sagt er. Außerdem habe er zuletzt genug Zeit gehabt, um mental etwas abzuschalten. Zwar habe er alles darangesetzt, nochmal auf dem Platz stehen zu können, daneben aber auch viel Zeit für die Familie gehabt. Das knappe Jahr sei „sehr erholend, prägend und wichtig” gewesen. Schließlich habe der Wahl-Eberstädtergespürt, sich wieder mit etwas beschäftigen zu müssen.
Auf dem Eberstädter Vereinsgelände an der Brandenburger Straße habe er sich auf Anhieb wohlgefühlt – auch wegen einer gewissen Ähnlichkeitzum alten Böllenfalltor: „Ich kann mich noch erinnern, als ich nach Darmstadt gekommen bin und Dirk Schuster mir die Kabinen gezeigt hat. In den Wänden hängt der Geruch von harter Arbeit und darauf kommt es an im Fußball. Ich finde das klasse.”
Von Lauro Meisterjahn
Beitragsbild: Tobias Kempe bei der Pressekonferenz von Germania Eberstadt. Foto: Lauro Meisterjahn
