Stadtwerke erweitern Photovoltaik auf 350 Quadratmeter – Investition soll sich in weniger als drei Jahren amortisieren
Die Zentralkläranlage Groß-Gerau produziert künftig noch mehr Strom selbst. Auf dem Dach eines Betriebsgebäudes haben die Stadtwerke eine weitere Photovoltaikanlage installiert. Sie soll jährlich rund 20.000 Kilowattstunden Strom erzeugen und damit einen Beitrag zur Energieversorgung der Anlage leisten. Die Investition ist nach Einschätzung der Verantwortlichen nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern rechnet sich auch wirtschaftlich: Bereits nach weniger als drei Jahren sollen die Kosten durch die eingesparte Energie ausgeglichen sein.
Die neue Solaranlage befindet sich auf dem neueren der beiden Betriebsgebäude der Zentralkläranlage nahe der Landesstraße nach Wallerstädten. Die Module sind in Ost-West-Richtung ausgerichtet und belegen eine Dachfläche von rund 100 Quadratmetern.
Strom für sechs bis sieben Vier-Personen-Haushalte
Mit einer erwarteten Jahresproduktion von rund 20.000 Kilowattstunden könnte die neue Photovoltaikanlage rechnerisch den durchschnittlichen Strombedarf von sechs bis sieben Vier-Personen-Haushalten decken.
Tatsächlich wird die erzeugte Energie jedoch für den Betrieb der Kläranlage genutzt. Angesichts der hohen Strompreise erwarten die Stadtwerke eine schnelle Amortisation der Investition.
„In weniger als drei Jahren haben wir das wieder reingeholt. Die Anlage ist umwelttechnisch und wirtschaftlich absolut sinnvoll“, erklärt Kläranlagenleiter Georges Haddad.
Die neue Anlage ergänzt bereits vorhandene Photovoltaikmodule auf dem Betriebsgelände. Seit einigen Jahren sind auf zwei Betriebsgebäuden insgesamt rund 250 Quadratmeter Dachfläche mit Solarmodulen ausgestattet. Diese erzeugen jährlich etwa 27.000 Kilowattstunden Strom.
Mit der Erweiterung stehen nun insgesamt rund 350 Quadratmeter Photovoltaikfläche zur Verfügung. Die jährliche Stromproduktion steigt damit auf knapp 50.000 Kilowattstunden.
EU fordert Energieneutralität bis 2045
Die zusätzliche Stromerzeugung ist Teil einer umfassenderen Strategie, mit der die Stadtwerke den Energieverbrauch ihrer Kläranlage reduzieren und den Anteil erneuerbarer Energien erhöhen wollen.
Hintergrund sind unter anderem die Anforderungen der europäischen Kommunalabwasserrichtlinie. Diese sieht vor, dass die Abwasserwirtschaft bis 2045 ihren Energiebedarf bilanziell vollständig aus erneuerbaren Energien decken soll.
Dabei muss nicht jede einzelne Kläranlage für sich genommen energieneutral sein. Entscheidend ist vielmehr, dass die Branche insgesamt die entsprechenden Vorgaben erfüllt.
Auch muss die benötigte Energie nicht ausschließlich auf dem eigenen Betriebsgelände erzeugt werden. Möglich sind beispielsweise Beteiligungen an Solar- oder Windparks.
Die europäischen Vorgaben sehen mehrere Zwischenziele vor: Bis 2035 sollen 40 Prozent der benötigten Energie aus erneuerbaren Quellen stammen, bis 2040 bereits 70 Prozent. Die Richtlinie muss noch in nationales Recht umgesetzt werden.
Die Groß-Gerauer Stadtwerke sehen sich auf einem guten Weg, diese Anforderungen zu erfüllen.
Klärgas liefert einen Großteil der selbst erzeugten Energie
Der jährliche Strombedarf der Groß-Gerauer Zentralkläranlage liegt derzeit bei rund 1,2 Millionen Kilowattstunden.
Davon werden nach Angaben von Harald Steiger, dem Technischen Betriebsleiter der Stadtwerke, bereits knapp zwei Drittel selbst erzeugt.
Eine zentrale Rolle spielt dabei das Blockheizkraftwerk (BHKW) auf dem Betriebsgelände. Es nutzt die bei der Abwasserbehandlung anfallenden Klärgase zur Energiegewinnung.
Das Blockheizkraftwerk verfügt über eine elektrische Leistung von 125 Kilowatt und eine Wärmeleistung von 128 Kilowatt.
Damit trägt es wesentlich dazu bei, den Energiebedarf der Kläranlage aus eigener Produktion zu decken.
Die Photovoltaikanlagen haben im Vergleich zum gesamten Stromverbrauch zwar einen deutlich geringeren Anteil, ergänzen die Energieversorgung jedoch sinnvoll.
Stromverbrauch seit 2013 um ein Viertel gesenkt
Neben der eigenen Energieerzeugung setzen die Stadtwerke verstärkt auf technische Verbesserungen, um den Strombedarf zu verringern.
Dabei zeigen sich bereits deutliche Erfolge.
Im Jahr 2013 benötigte die Zentralkläranlage noch rund 1,6 Millionen Kilowattstunden Strom. Heute liegt der Verbrauch bei etwa 1,2 Millionen Kilowattstunden.
Das entspricht einer Einsparung von rund 25 Prozent.
Bemerkenswert ist dabei, dass die Kläranlage in diesem Zeitraum erweitert wurde und zusätzliche Anlagenteile hinzugekommen sind. Unter Berücksichtigung dieser Erweiterungen fällt die Verbesserung der Energieeffizienz nach Einschätzung der Stadtwerke sogar noch deutlicher aus.
„Jede neue Pumpe, die wir einbauen, läuft effizienter als die alten“, erklärt Jasmin Werner, Teamleiterin Stadtentwässerung.
Ein Beispiel ist die Gebläsestation. Dort konnte der Stromverbrauch nach Angaben der Stadtwerke um etwa 40 Prozent reduziert werden.
Energieeinsparungen wirken sich auch auf Gebühren aus
Für die Stadtwerke ist die Verbesserung der Energieeffizienz nicht allein eine Frage des Klimaschutzes.
Die eigene Stromerzeugung und ein geringerer Energieverbrauch können auch die laufenden Betriebskosten der Kläranlage senken.
„Wir tun viel, um beim Thema Energieneutralität voranzukommen. Dabei helfen auch kleinere Vorhaben wie die neue Photovoltaikanlage“, erklärt Harald Steiger.
Er verweist zugleich auf die Bedeutung für die Bürgerinnen und Bürger: „Und nicht zuletzt haben selbst erzeugte Energie und Energieeinsparungen einen positiven Effekt auf die Gebühren. Was wir tun, machen wir schließlich im Interesse der Groß-Gerauerinnen und Groß-Gerauer.“
Mit der neuen Photovoltaikanlage setzen die Stadtwerke somit einen weiteren Baustein ihrer langfristigen Energie- und Klimastrategie um.
Die wichtigsten Zahlen im Überblick
Standort: Zentralkläranlage Groß-Gerau, nahe der Landesstraße nach Wallerstädten
Neue Photovoltaikanlage: Rund 100 Quadratmeter Modulfläche
Jährliche Stromproduktion der neuen Anlage: Rund 20.000 Kilowattstunden
Amortisationszeit: Nach Einschätzung der Stadtwerke weniger als drei Jahre
Gesamte Photovoltaikfläche: Rund 350 Quadratmeter
Gesamte jährliche Solarstromproduktion: Rund 47.000 Kilowattstunden
Jährlicher Stromverbrauch der Kläranlage: Rund 1,2 Millionen Kilowattstunden
Eigenstromerzeugung: Knapp zwei Drittel des Strombedarfs
Blockheizkraftwerk: 125 Kilowatt elektrische und 128 Kilowatt thermische Leistung
Stromverbrauch 2013: Rund 1,6 Millionen Kilowattstunden
Stromverbrauch heute: Rund 1,2 Millionen Kilowattstunden
Energieeinsparung seit 2013: Rund 25 Prozent
EU-Ziel: Bilanzielle Energieneutralität der Abwasserwirtschaft bis 2045
(GROSS-GERAU – RED/PSGG)
Beitragsbild: Die neue Photovoltaikanlage auf dem Dach eines Betriebsgebäudes auf der Groß-Gerauer Kläranlage liefert pro Jahr rund 20.000 Kilowattstunden (kWh) an elektrischem Strom. Auf dem Bild zu sehen sind (von links) Jasmin Werner (Teamleiterin Planung und Bau Stadtentwässerung bei den Stadtwerken), Kläranlagenleiter Georges Haddad und sein Stellvertreter Timothy Reichert. Foto: Kreisstadt Groß-Gerau/Jörg Monzheimer


