Gedenkgang, Führungen und Veranstaltungen erinnern an jüdisches Leben
Mit mehreren Gedenkveranstaltungen, historischen Rundgängen und einer besonderen Gedenkzeremonie erinnert Darmstadt im November an die nationalsozialistischen Novemberpogrome von 1938. Anlass ist der 88. Jahrestag der Zerstörung der Darmstädter Synagogen. Gleichzeitig steht ein weiteres historisches Datum im Mittelpunkt: Vor 150 Jahren wurde die Liberale Synagoge in der Friedrichstraße 2 errichtet. Sie wurde 1938 von den Nationalsozialisten zerstört und ihre Überreste 2003 wiederentdeckt.
Die Gedenkstätte Liberale Synagoge und der Förderverein Liberale Synagoge Darmstadt bieten aus diesem Anlass ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm an. Neben Führungen auf den Spuren jüdischer Persönlichkeiten und der Geschichte der Stadt sind eine Gedenkzeremonie mit Oberbürgermeister Hanno Benz und ein gemeinsamer Gedenkgang zu den Standorten der zerstörten Synagogen vorgesehen.
150 Jahre Liberale Synagoge in Darmstadt
Die ehemalige Liberale Synagoge in der Friedrichstraße 2 ist ein bedeutender Erinnerungsort der jüdischen Geschichte Darmstadts. Ihre Zerstörung während der Novemberpogrome 1938 steht beispielhaft für die nationalsozialistische Verfolgung und Vernichtung jüdischen Lebens.
Mit der Wiederentdeckung ihrer Überreste im Jahr 2003 wurde ein wichtiger Teil der Stadtgeschichte erneut sichtbar.
Das diesjährige Gedenkprogramm verbindet die Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus mit der Geschichte jüdischer Persönlichkeiten, die das gesellschaftliche, kulturelle und wissenschaftliche Leben Darmstadts geprägt haben.
Gedenkzeremonie und neue Gedenktafel für Julius Goldstein
Ein zentraler Bestandteil des Programms ist die Gedenkzeremonie am Montag, 9. November, um 11 Uhr unter dem Titel „Zukunft braucht Erinnerung: 150 Jahre Liberale Synagoge, Novemberpogrom 1938 und Ehrung Julius Goldsteins“.
Im Rahmen der Veranstaltung wird Oberbürgermeister Hanno Benz eine neue Gedenktafel für den Darmstädter Philosophen Julius Goldstein einweihen. Die Tafel wurde vom Förderverein Liberale Synagoge Darmstadt initiiert.
Neben Oberbürgermeister Benz sprechen Daniel Neumann, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Darmstadt und Mitglied im Vorstand des Zentralrats der Juden in Deutschland, Sven Axt, Kaufmännischer Geschäftsführer und Sprecher des Klinikums Darmstadt, sowie Martin Frenzel, Vorsitzender und Gründer des Fördervereins Liberale Synagoge Darmstadt.
Gemeinsamer Gedenkgang zu den zerstörten Synagogen
Am Abend des 9. November findet ein gemeinsamer Gedenkgang durch Darmstadt statt.
Er beginnt um 18.30 Uhr im Anschluss an die Gedenkveranstaltung in der Neuen Synagoge in der Wilhelm-Glässing-Straße 26.
Von dort führt der Weg über den Luisenplatz zu den Erinnerungsorten der 1938 zerstörten Orthodoxen und Liberalen Synagoge.
Zu dem Gedenkgang lädt die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit gemeinsam mit dem Arbeitskreis Stolpersteine, der Deutsch-Israelischen Gesellschaft AG Darmstadt, dem Evangelischen Dekanat, dem Förderverein Liberale Synagoge, dem katholischen Pastoralraum Darmstadt-Mitte und der Wissenschaftsstadt Darmstadt ein.
Historische Rundgänge erinnern an jüdische Persönlichkeiten
Weitere Veranstaltungen widmen sich der Geschichte jüdischer Bürgerinnen und Bürger Darmstadts.
Bei mehreren thematischen Rundgängen werden unter anderem die Lebenswege von Rabbinern, Juristen, Philosophen und weiteren Persönlichkeiten vorgestellt, die mit der jüdischen Geschichte der Stadt verbunden sind.
Dazu gehören beispielsweise der frühere Lilien-Vorsitzende Karl Heß, der Philosoph Julius Goldstein sowie Rabbiner Julius Landsberger.
Die Führungen verbinden historische Orte mit den Biografien der Menschen, die dort gelebt und gewirkt haben.
Alle Veranstaltungen im Überblick
Samstag, 7. November 2026, 14.30 Uhr
Rundgang „Jüdisches Darmstadt“ – Sonderführung I
Auf den Spuren der Liberalen Synagoge, jüdischer Rechtsanwälte und Juristen wie Benno Joseph, Hugo Bender, Fritz Freund und Karl Heß sowie des Darmstädter Novemberpogroms von 1938.
Treffpunkt: Lortzsche Menora vor der Treppe zur Empore der Gedenkstätte Liberale Synagoge auf dem Klinikumsgelände. Zugang über die Bleichstraße auf Höhe der Gagernstraße oder über den Julius-Landsberger-Platz.
Teilnahme: Kostenlos, Spende erbeten.
Anmeldung: Erforderlich per E-Mail an martin.frenzel@liberale-synagoge-darmstadt.de.
Sonntag, 8. November 2026, 14.30 Uhr
Rundgang „Jüdisches Darmstadt“ – Sonderführung II
Im Mittelpunkt stehen die Liberale Synagoge und die Lebensgeschichten von Rabbiner Julius Landsberger, Aron Reinhard und seiner Tochter Johanna, Heinrich Wechsler, Ferdinand Reinheimer, Moses Heyum, Alfred Bodenheimer und Alexander Haas. Auch das Novemberpogrom von 1938 wird thematisiert.
Treffpunkt: Lortzsche Menora an der Gedenkstätte Liberale Synagoge auf dem Klinikumsgelände. Zugang über die Bleichstraße auf Höhe der Gagernstraße oder über den Julius-Landsberger-Platz.
Teilnahme: Kostenlos, Spende erbeten.
Anmeldung: Erforderlich per E-Mail an martin.frenzel@liberale-synagoge-darmstadt.de.
Montag, 9. November 2026, 11 Uhr
Gedenkzeremonie „Zukunft braucht Erinnerung“
Anlässlich des 150-jährigen Bestehens der ehemaligen Liberalen Synagoge und des 88. Jahrestags der Novemberpogrome wird an die jüdische Geschichte Darmstadts erinnert.
Im Rahmen der Veranstaltung weiht Oberbürgermeister Hanno Benz die neue Julius-Goldstein-Gedenktafel des Fördervereins Liberale Synagoge Darmstadt ein.
Mitwirkende: Oberbürgermeister Hanno Benz, Daniel Neumann, Sven Axt und Martin Frenzel.
Montag, 9. November 2026, 18.30 Uhr
Gedenkgang zu den zerstörten Darmstädter Synagogen
Im Anschluss an die Gedenkveranstaltung in der Neuen Synagoge führt ein gemeinsamer Gedenkgang über den Luisenplatz zu den Erinnerungsorten der 1938 zerstörten Orthodoxen und Liberalen Synagoge.
Start: Neue Synagoge, Wilhelm-Glässing-Straße 26, Darmstadt.
Veranstalter: Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit und weitere Darmstädter Organisationen.
Dienstag, 10. November 2026, 11.30 bis 16 Uhr
Sonderöffnung der Gedenkstätte Liberale Synagoge
Die Gedenkstätte ist an diesem Tag zusätzlich für Besucherinnen und Besucher geöffnet.
Hinweis: Es findet keine Rundführung statt.
Sonntag, 15. November 2026, 14.30 Uhr
Rundgang „Jüdisches Darmstadt“
Der Förderverein Liberale Synagoge erinnert an die Geschichte der Liberalen Synagoge und an jüdische Persönlichkeiten wie den früheren Vorsitzenden des SV Darmstadt 98, Karl Heß, Howard (Hans Siegfried) Adler, Hans Juda und den Kultur- und Technikphilosophen Julius Goldstein.
Treffpunkt: Dr.-Karl-Heß-Platz vor dem Eingang des Merck-Stadions am Böllenfalltor. Von dort führt der Weg mit der Straßenbahnlinie 9 zum Luisenplatz und anschließend zur Gedenkstätte Liberale Synagoge.
Teilnahme: Kostenlos, Spende erbeten.
Anmeldung: Erforderlich per E-Mail an martin.frenzel@liberale-synagoge-darmstadt.de.
Sonntag, 22. November 2026, 14.30 Uhr
Rundgang „Jüdisches Darmstadt“
Im Mittelpunkt stehen die Liberale Synagoge sowie Heinrich Blumenthal, Rabbiner Bruno Italiener und der Philosoph Julius Goldstein.
Die Führung führt von der Johanneskirche über den Deportationsort Justus-Liebig-Schule zur Gedenkstätte Liberale Synagoge und zum Julius-Landsberger-Platz.
Treffpunkt: Heinrich-Blumenthal-Gedenktafel an der Nordwestseite der Evangelischen Johanneskirche, Johannesplatz, Ecke Wilhelm-Leuschner-Straße.
Dauer: Etwa zwei Stunden.
Teilnahme: Kostenlos.
Anmeldung: Erforderlich per E-Mail an martin.frenzel@liberale-synagoge-darmstadt.de.
Sonntag, 29. November 2026, 14.30 Uhr
Rundgang „Jüdisches Darmstadt“
Die Führung beschäftigt sich mit der Geschichte der Liberalen Synagoge und den fünf Rabbinern Julius Landsberger, Abraham Wolff, David Selver, Bruno Italiener und Erich Bienheim. Darüber hinaus wird an ein nationalsozialistisches Verbrechen erinnert.
Treffpunkt: Lortzsche Menora vor der Treppe zur Empore der Gedenkstätte Liberale Synagoge auf dem Klinikumsgelände. Zugang über die Bleichstraße auf Höhe der Gagernstraße oder über den Julius-Landsberger-Platz.
Teilnahme: Kostenlos, Spende erbeten.
Anmeldung: Erforderlich per E-Mail an martin.frenzel@liberale-synagoge-darmstadt.de.
Besuche für Schulklassen und Gruppen möglich
Die Gedenkstätte Liberale Synagoge kann auch von Schulklassen und Gruppen besucht werden.
Neben den regulären Öffnungszeiten mittwochs und sonntags von 11.30 bis 16 Uhr sind nach vorheriger Vereinbarung zusätzliche Besuchstermine möglich.
Anmeldung für Gruppen: Telefon 06151 13-3341 oder per E-Mail an kulturamt@darmstadt.de.
Weitere Informationen zu den Darmstädter Gedenkstätten bietet die Wissenschaftsstadt Darmstadt unter:
(DARMSTADT – RED/PSD/stip)


