Rundgang erläutert Veränderungen von Auwald und Landschaft durch menschliche Eingriffe und Klimawandel
Wie haben menschliche Eingriffe und veränderte klimatische Bedingungen den Kühkopf geprägt? Mit dieser Frage beschäftigte sich eine Führung unter dem Titel „Gestern, heute, morgen – der Kühkopf im Wandel der Zeit“. Rund 20 Teilnehmer erkundeten am 18. September das Naturschutzgebiet Kühkopf-Knoblochsaue.
Die gut zweistündige Führung begann am Umweltbildungszentrum „Schatzinsel Kühkopf“ (UBZ). Christian Kehrenberg von HessenForst erläuterte an verschiedenen Stationen die Entwicklung des größten hessischen Naturschutzgebiets. Veranstaltet wurde der Rundgang vom Kreis Groß-Gerau gemeinsam mit dem Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald, HessenForst und der Kreisvolkshochschule.
Vom Flusslauf zur Kulturlandschaft
Ein Thema war die Rheinbegradigung vor rund 200 Jahren. Der heutige Altrhein war zuvor Teil des eigentlichen Flusslaufs und nach Angaben Kehrenbergs stellenweise rund 350 Meter breit. Die Begradigung erleichterte unter anderem die Schifffahrt und führte zur Entwässerung angrenzender Flächen, die dadurch stärker für Landwirtschaft und Besiedlung genutzt werden konnten.
Kehrenberg machte deutlich, dass auch das heutige Naturschutzgebiet keine vom Menschen unberührte Landschaft ist. Auf dem Kühkopf wurde früher intensiv Landwirtschaft betrieben. Dämme wurden gebaut und später wieder aufgegeben, Bäume gepflanzt und Wiesen angelegt.
Heute lässt sich dort unter anderem die Sukzession beobachten – also die natürliche Veränderung der Artenzusammensetzung eines Lebensraums. Diese Entwicklung wird auf dem Kühkopf wissenschaftlich begleitet.
Veränderungen im Auwald
Bei der Führung ging es auch um die Auswirkungen veränderter klimatischer Bedingungen auf den Auwald. Kehrenberg verwies dabei auf heißere und trockenere Sommer, Starkregenereignisse und Veränderungen bei den Hochwasserphasen.
Welche Baumarten sich künftig in der Weichholzaue in Ufernähe und in der höher gelegenen Hartholzaue behaupten können, hängt unter anderem von Licht und Wasser ab. Nach Angaben Kehrenbergs sind Esche, Ulme und Ahorn auf dem Rückzug, wobei auch Pilzkrankheiten wie die Rußrindenkrankheit eine Rolle spielen. Die Walnuss breite sich dagegen stärker aus.

Wie sich das Ökosystem langfristig entwickeln wird, lasse sich derzeit nicht vorhersagen. „Wohin die Reise am Ende geht, wissen wir nicht. Wir befinden uns auf unbekanntem Terrain“, sagte Kehrenberg.
Das Naturschutzgebiet biete die Möglichkeit, solche Veränderungen ohne forstwirtschaftliche Nutzung zu beobachten. Kehrenberg bezeichnete die Region deshalb als eine Art „Versuchslabor“. Seiner Einschätzung nach stellen die Veränderungen nicht nur den Waldbau, sondern langfristig auch die Landwirtschaft vor neue Herausforderungen.
(KREIS GROSS-GERAU – RED/PSKGG)
Beitragsbild: Interessierte Zuhörerinnen und Zuhörer, die viele Fragen stellten, hatte Christian Kehrenberg von HessenForst bei der Führung auf dem Kühkopf am vergangenen Freitag. Christian Kehrenberg zeigte am Beispiel der Walnuss auf, wie sich die Vegetation auf dem Kühkopf ändert. Fotos: Kreis Groß-Gerau


